Hafenrundfahrt – Dicke Pötte ganz nah

Das stetige Treiben im Hafen ist immer wieder faszinierend. Findet Ihr nicht auch? Hier wird (fast) rund um die Uhr gearbeitet. In Schiffsbäuchen und Containern verborgene Güter aus der ganzen Welt kommen nach Bremerhaven oder werden von hier auf die Reise geschickt. Was mag das wohl sein? Eine, die die Überseehäfen seit Jahren kennt, ist Maice Hissenkemper. Die Reederin der Harufa Maritime GmbH bietet täglich Hafenrundfahrten durch die Überseehäfen an. Heute bin ich mit an Bord. Mal schauen, wie so ein Tag von Maice aussieht und was es alles zu entdecken gibt.

Liebe auf den zweiten Blick

Maice ist eine Bremerhavener Deern – eine waschechte Bremerhavenerin. Ihr Vater Harald gründet das Hafenrunfahrtunternehmen bereits 1978. Aber Maices Herz schlägt erst einmal für einen anderen Beruf. Sie wird Fotografin. Ein zeitintensiver Beruf. Aber trotzdem arbeitet sie nebenbei auch noch in der Gastronomie. Und aus diesem Grund kreuzen sich die beruflichen Wege von Vater und Tochter. Maice übernimmt die Gastronomie an Bord der Barkassen des Familienunternehmens.

Von der Pike auf gelernt

Maice liebt den Austausch mit den Menschen an Bord. Gäste einer Hafenrundfahrt werden in der Regel nicht zu Stammgästen, da es oft Urlauber sind, die ein paar schöne Tage in Bremerhaven verbringen. Dafür aber belohnen sie das Team mit begeisterten Ausrufen zu besonders beeindruckenden Ozeanriesen, einem Lächeln und abschließendem Applaus. Was will man mehr? Maice will mehr! Ein paar Jahre später übernimmt sie die Bürotätigkeiten der Firma und kauft 2014 die Hafenrundfahrtbarkassen „Hein Mück“ und „Lady Sunshine“ von ihrem Vater. Ihr Patent hat sie da schon seit Jahren in der Tasche. Nun ist sie Reederein und Schiffsführerin.

Maice am Ruder auf einer ihrer Barkassen (c) Maice Hissenkämper
Maice nimmt das Ruder selbst in die Hand an Bord einer ihrer Barkassen (c) Maice Hissenkämper

Hier und dort und überall

Fortan kümmert sie sich um alles. Zu Dienstbeginn trifft sich Maice mit den Kapitänen und Matrosen. Bei einem Pott Kaffee wird Aktuelles und Geplantes besprochen. Während die ersten Gäste die Tickets für die erste Tour erwerben und an Bord gehen, checkt Maice bereits den E-mail-Eingang. Es folgen Personalplanung, Marketing und Vertrieb. Zwischendurch muss sie immer wieder kurzfristige Entscheidungen treffen und steht ihrem Team unterstützend zur Seite. Eine Uhr scheint Maice nicht zu benötigen. Ihre innere Uhr verrät ihr, wann wieder eines ihrer Schiffe von einer Rundfahrt zurückkommt. Dann hebt sie den Blick von der Arbeit und wirft einen prüfenden Blick auf Hafen, Barkasse und Gäste. Alles in Ordnung – es kann weitergehen!

Maice mit einem Ordner vor ihrem Bildschirm am Arbeitsplatz (c) Maice Hissenkämper
Maice checkt Mails, Dienstpläne und den Internetauftritt (c) Maice Hissenkämper

Da geht noch mehr

Wer glaubt, dass Maice nach einem Tag voller Arbeit die Füße hochlegt, irrt gewaltig. Seit Jahren engagiert sie sich im Lions Club Bremerhaven ehrenamtlich für soziale Projekte. Auch hier scheut sie keine Verantwortung. In den Jahren 2006, 2007 und 2020 ist sie Präsidentin des Clubs. Und als wenn das noch nicht genug ist, spielt sie leidenschaftlich gern Skat und Kniffel.

Hafenrundfahrt Überseehäfen

Doch genug geplaudert. Es geht an Bord der „Lady Sunshine“. Das Wetter ist wechselhaft bewölkt, aber trocken. Das große Glasdach ist geöffnet. Jens Puhlmann ist heute unser Schiffsführer und Thim Welter der Decksmann und Matrose. Sie begrüßen uns mit einem herzlichen „Moin“. Das Schiffshorn ertönt dreimal – das Zeichen dafür, dass wir rückwärts fahren. Wir drehen und steuern nordwärts durch den Neuen Hafen. Backbord (links) blicken wir auf den Simon Loschen-Leuchtturm und die schmucke Sportboot-Marina im jaich. Extra für uns wird die 344 Tonnen schwere Holländerklappbrücke geöffnet. Wartende Fußgänger und Radfahrer winken uns zu.

Jens, Maice und Thim vor der "Lady Sunshine" (c) Tanja Albert
Ein tolles Team, Maice mit Jens und Thim (c) Tanja Albert

Mit der Hafenrundfahrt ganz nah ran

Wir erreichen den Kaiserhafen und passieren ein Schwimmdock, in dem ein Schiff zur Reparatur liegt. Thim erklärt, wie ein Schwimmdock funktioniert. Die Tanks werden geflutet, so dass das Dock absinkt. Das Schiff fährt ein und wird festgemacht. Die Tanks werden leergepumpt, so dass sich das Dock wieder hebt, bis der Boden und die daraufliegenden Pallen (große Holzblöcke), auf dem das Schiff liegt, über Wasser sind. Nun können die Fachleute trockenen Fußes ihre Arbeit verrichten.

Hoch aufragende Bordwand (c) Tanja Albert
Näher ran geht’s nicht! Blick von der Hafenrundfahrt-Barkasse hoch an einer Bordwand (c) Tanja Albert

Massig Platz

Wir erreichen das Wendebecken, in dem die riesigen Autotransportschiffe (Car Carrier) mit Hilfe von Schleppern gedreht werden. Anschließend werden sie vorsichtig an ihren vorgesehende Liegeplatz bugsiert. Von Weitem sehen diese großen, unförmigen Schiffe eher wie eine bombastische Halle. Kantig, klobig, riesig! Bis zu 8.500 PKW passen in so einen Car Carrier. Ein Team von speziell ausgebildeten Fahrer kann 6.000 Fahrzeuge pro Tag verladen. Das ist eine kniffelige Aufgabe, denn die PKWs werden mit nur 20 Zentimeter Abstand im Schiff abgestellt und festgelascht (festgezurrt). Das ist wichtig, damit die Ladung auch bei schwerer See nicht verrutscht und beschädigt wird. Im vergangenen Jahr wurden 2,2 Millionen Fahrzeuge von hier verschifft. Dafür stehen im Hafen 125.000 Stellplätze zur Verfügung. Thim beeindruckt uns immer wieder mit unvorstellbaren Zahlen von Größen und Mengen.

Car Carrier im Kaiserhafen (c) Tanja Albert
Riesiger, klobiger Car Carrier im Kaiserhafen (c) Tanja Albert

Traumschiffe, Luxusyachten und Linien-Fährschiffe

Derzeit liegen mehrere Kreuzfahrtschiffe in Bremerhaven. Eins davon ist die „Amadea„. Das Besondere: An Bord gibt es ausschließlich Außenkabinen. Vielen ist sie sicher bekannt aus der TV-Serie „Verrückt nach Meer“.

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https://youtu.be/4PCqz7a3Wzc

Wir passieren die Docks der berühmten Lloyd Werft. Eins ist ganz verhüllt. Darin entsteht gerade eine Luxusyacht, die vor allzu neugierigen Blicken geschützt werden soll. Bremerhaven ist außerdem für seine spektakuläre Schiffsverlängerungen bekannt. Das, was so leicht klingt: Schiff durchschneiden, neues Mittelteil einfügen, Schiff wieder zusammenfügen, erfordert ein hohes Maß an Know how und Spezialisten des Schiffbaus. Vor einigen Jahren wurde das Fährschiff „Peter Pan“ so um 25 Meter verlängert. Ich kann mir kaum vorstellen, wie das hinterher alles wieder millimetergenau passt und hält.

Willkommen an Bord der Hafenrundfahrt

Das war nur ein Bruchteil von dem, was Thim und Jens uns während der einstündigen Rundfahrt erzählt haben. Ich konnte gar nicht so schnell nach links, rechts, vor und zurück schauen, um alles zu sehen, was Thim uns erklärt hat. Habt Ihr jetzt auch Lust bekommen, ganz dicht längsseits der Ozeanriesen, Spezialschiffe, Docks und Kajen zu schippern? Dann heißen Euch Maice und Crew herzlich willkommen an Bord einer der Glasdach-Barkassen. Nähere Infos erhaltet Ihr hier.

Jens, ich und Thim (von links) an Bord der "Lady Sunshin" (c) Tanja Albert
Jens, ich und Thim (von links) an Bord der „Lady Sunshine“ (c) Tanja Albert