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Simon Loschen – seine Bauten bezaubern

Zeitzeugen, die ihre Eleganz und Schönheit nicht verlieren und lebensnotwendig waren.

Frau blickt durch Fernglas auf den Hafen
24. Mai 2018
4 min read
Ein echter Hingucker, der Simon Loschen-Turm

Wenn ich durch Bremerhaven schlendere, fallen mir immer wieder die schönen neugotischen  Backsteinbauten auf. Sie ziehen sich vom Deich über die Innenstadt bis in den Stadtteil Lehe. Ich frage mich, wer diese schönen Gebäude errichtet hat. Schnell werde ich fündig. Simon Loschen hat uns all das beschert.

Simon Loschen wurde am 30. Oktober 1818 in Bremen geboren. Zu einer Zeit also, als es Bremerhaven noch gar nicht gab. Später war er in Bremen und Bremerhaven ein wichtiger Vertreter des neugotischen Baustils. Ich mag diesen Baustil mit den Spitzbögen an Portalen, Türen und Fenstern sowie hoch aufstrebenden Türmen und schlanken, hohen Wänden, die deshalb ein besonderes Stützsystem benötigen.

Simon Loschen Leuchtturm. (c) Tanja Albert
Simon Loschen Leuchtturm. (c) Tanja Albert

Alter Leuchtturm oder Simon Loschen-Leuchtturm

Ich lasse mir den Kopf freipusten bei meinem Spaziergang über den Deich. Da wird mein Auge automatisch von dem Leuchtturm gefesselt, der direkt neben der Sportbootschleuse steht. Der Simon Loschen-Leuchtturm, der als Bremerhavener Oberfeuer dient. Er ist übrigens der älteste noch in Betrieb befindliche Festland-Leuchtturm an der Nordseeküste. Wahrscheinlich auch ein Grund, warum er seit 1984 unter Denkmalschutz steht. In den Jahren von 1853 bis 1855 wurde der Leuchtturm an der Nordseite der 1852 fertiggestellten Schleuse zum Neuen Hafen erbaut. 1856 war es dann so weit. Der Leuchtturm ging in Betrieb. Er hat eine Höhe von 38,9 m. Das Leuchtfeuer wurde zunächst mit Petroleum betrieben und 1942 elektrifiziert sowie 1961 automatisiert. Es markiert zusammen mit dem Unterfeuer die Mitte der Fahrrinne auf der Weser in einem Abschnitt vor der Geestemündung.

Derzeit hat der Turm eine ganz besondere Verkleidung. An der Ostseite sind große Bildbahnen angebracht, die zeigen, wie das Bauwerk ursprünglich einmal aussah. Der Hamburger Baukünstler Werner Krömeke erinnert mit dieser Arbeiten an im Krieg zerstörte Architekturdetails. Die Idee zu diesem Kunstprojekt mit dem Namen „Zeitfenster in die Geschichte“ hatte übrigens der Kunstförderer Ernst Eugen Esch. Das Projekt überzeugte neben Bremen Ports auch die Denkmalschutzbehörde Bremerhavens und das Historisches Museum und die Kulturstiftung der Weser-Elbe Sparkasse, die ihn dabei unterstützten.

Kunst am Simon Loschen Leuchtturm (c) Mailin Knoke
Arbeit des Baukünstlers Werner Krömeke am Simon Loschen-Turm (c) Mailin Knoke

Schwoonscher Wasserturm

Zeitgleich gab der Reeder Melchior Schwoon den Auftrag, im Leher Stadtpark einen Wasserturm zu errichten, der die Trinkwasserversorgung Bremerhavens mittels Wasserleitung möglich machte. Für mich ist es heute kaum vorstellbar, dass die Bremerhavener Bürger zu dieser Zeit ihr Wasser in Fässern, die mit Pferdefuhrwerken aus Lehe hertransportiert wurden, erhielten. 1853 wurde dieser Turm dann von Simon Loschen erbaut. 1896/97 wurde der Bau jedoch erhöht und der gemauerte Wasserbehälter durch einen Stahlbehälter ersetzt. Ich weiß noch, dass die Nordsee-Zeitung diesen Turm seinerzeit als Archiv genutzt hat. Heute erstrahlt er in neuem Glanz und in seinem Inneren finden Lesungen und andere Veranstaltungen statt. Es lohnt sich, einmal hinzugehen, denn die Atmosphäre ist wirklich schön im Inneren.

Bgm.-Smidt-Gedächtniskirche, Große Kirche (c) Helmut Gross
Große Kirche Bremerhaven (c) Helmut Gross

Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche oder auch „Große Kirche“

Wenn ich heute die schöne Kirche mitten in der Fußgängerzone betrachte, kann ich mir gar nicht vorstellen, dass dieser Bau ursprünglich bei der Gründung Bremerhavens nicht vorgesehen war. Vielleicht lag es ja daran, dass Bremerhaven tatsächlich als „Bremer Haven“, also der Hafen von Bremen gegründet wurde und somit alle Planungen und Anforderungen den Hafenbetrieb betrafen. 1842 wurde dem Drängen des Bürgermeister Johann Smidt nachgegen und der Bau der Kirche beschlossen. Allerdings scheiterte der erste Bauversuch von 1846 an dem weichen Marschboden.

Bgm.-Smidt-Gedächtniskirche
Große Kirche bei Nacht. Foto: M. Pautzke

Ein festes Fundament war erforderlich

Simon Loschen ist es 1853 zu verdanken, dass 552 Pfähle in den Boden gerammt wurden. Darauf gelang es, die dreischiffige Hallendkirche zu errichten. Der Bau wurde in dem typisch roten Backstein errichtet und mit farbig glasierten Klinkern dekoriert. 1855 fand bereits die feierliche Einweihung durch Bürgermeister Smidt, dem die Kirche auch seinen Namen zu verdanken hat, statt. Die Fertigstellung des 86 m hohen Turms gelang aber erst 1870.

Ein herber Rückschlag

Bremerhaven war vom Krieg schwer gezeichnet. 1944 brannte dann auch die Kirche völlig aus. Der 1960 beendete Wiederaufbau wurde mit einer zweiten Einweihung gefeiert. Allerdings hat der helle Innenraum der heutigen Kirche nichts mehr mit der alten Kirche gemein. Besonders faszinierend finde ich hier die Decke, die an eisernen Dachbindern abgehängt wurde. Kaum vorstellbar, dass diese Seile tatsächlich solch eine große Decke halten.

Portal an der hinteren Seite
Hinteres Portal der Großen Kirche. Foto: Tanja Albert

Verschiedenste Bauten aus einer Hand

Bei meinem Rundgang fasziniert mich neben der Schönheit der Gebäude, dass Simon Loschen Bauwerke für verschiedenste Funktionen errichtet hat. Da gibt es das lebensnotwendige Leuchtfeuer, das den Seeleuten den Weg weist, der Wasserturm, der den Bremerhavenern sauberes Trinkwasser garantierte und die Kirche, die nicht umsonst im Volksmund „Große Kirche“ heißt.

Frau blickt durch Fernglas auf den Hafen
Tanja Albert

Ich mag‘s bunt, und da hat Bremerhaven viel zu bieten: www.logbuch-bremerhaven.de/10-gute-gruende-fuer-bremerhaven.

Aber oft liegen die Schätze im Detail und finden sich in Kleinigkeiten wieder. Diese zu entdecken, macht mir immer viel Spaß.

Und wenn Ihr lieber Hören statt lesen wollt, dann lauscht doch mal unseren Story im Podcast: www.logbuch-bremerhaven.de/thema/podcast/.

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