Alles so schön Schiff hier in Bremerhaven

Wenn ich neue Städte erobere, dann gern unter einem Schwerpunktthema. Für alle, die es mit Bremerhaven genauso halten möchten, hier meine Tipps für einen spannenden und informativen Tag rund um das Thema „Schiff“. Die Seestadt bietet zugleich historische und moderne Schiffe, ungewöhnliche und traditionelle, ästhetische und solche, die ganz zweckmäßig einfach nur ihrem Arbeitsauftrag  entsprechend gestaltet sind. Und so ein Tag bietet eine Mischung aus Bewegung, Denken, Staunen, Aktiv sein. Eben alles für einen perfekten Entdeckertag.

Auf Tuchfühlung mit Technik im U-Boot „Wilhelm Bauer“

Gar nicht so wie erwartet, ist meine Reaktion, als ich das erste Mal in meinem Leben das U-Boot „Wilhelm Bauer“ betrete. Obwohl Bremerhavenerin, hat es mich bislang noch nie in die Röhre aus Stahl gezogen, die da so präsent im Alten Hafen liegt. Wer je den Film „Das Boot“ gesehen hat, wird sich mit Grauen an die vermittelte Enge an Bord erinnern. Unvergessen auch die Dramatik beim schnellen Durchhuschen durch die Röhre. Mit „schnell“ ist es bei meinem Besuch jedoch nicht weit her, doch durch eine enge Stelle müssen alle Besucher, die etwas vom Leben der Unterseebootfahrer erfahren wollen. Nämlich durch diese hier:

Besucherfreundlich sind Griffe und Tritte angebracht, doch durch dieses „Loch“ müssen alle klettern. (c) Dörte Behrmann

Doch der Besuch lohnt sich, stelle ich fest. Bemerkenswert: Dieses U-Boot ist das letzte seiner Art, es war zu seiner Zeit das modernste und – obwohl es für die Nazionalsozialisten und den Krieg entwickelt wurde –  ging es nie auf sogenannte „Feindfahrt“. Für längere Zeit lag es in der Ostsee in Wartestellung, bevor es vom blutjungen Kommandanten in den letzten Kriegsmonaten vor Flensburg versenkt wurde. Seine Mannschaft aus 58 Mann hatte sich selbstverständlich vorher in Sicherheit gebracht.

Schlafzimmer, Aufenthaltsraum, Esszimmer, Gemeinschaftsraum, Kartenspielzimmer und Rückzugsraum für vier Mann: eine Mannschaftskajüte. Nur der Leitende Ingenieur und der Kommandant hatten Einzelkabinen. (c) Dörte Behrmann

Geborgen wurde das U-Boot dann 1957, drei Jahre später übernahm es die Bundesmarine. Das erklärt, warum sich bei der Besichtigung das Gefühl breit macht, eher in die 1960er Jahre hineinzuschauen, als in die 1950er. Denn vieles stammt eben aus den Anfängen der Bundesmarine. Die gab dem Schiff auch den Namen „Wilhelm Bauer“, um damit an den Ingenieur zu erinnern, der das erste moderne deutsche Unterseeboot Mitte des 19. Jahrhunderts erfand. Nette Randnotiz: Wilhelm Bauer war kein Küstenkind, sondern kam aus Dillingen an der Donau.

Für die Bundesmarine ergab sich der Wert des geborgenen U-Bootes vor allem in der bloßen Existenz, denn es wurde zunächst zur Erprobung weiterer Entwicklungen eingesetzt. Von Vorteil war die schnelle Fahrtzeit unter Wasser und die hohe Tauchzeit. 1983 sollte die immer noch seetüchtige „Wilhelm Bauer“ dann an die Zivilgesellschaft veräußert werden. In Bremerhaven hob man den Finger, hier war 1976 das Deutsche Schifffahrtsmuseum eröffnet worden und dieser Schiffstyp fehlte noch im gerade entstandenen Museumshafen. So kam das U-Boot 1983 in den Alten Hafen.

Im U-Boot „Wilhelm Bauer“ war noch echte Handarbeit gefragt, um es zu bewegen. (c) Dörte Behrmann

Das U-Boot wird heute als Technikmuseum präsentiert und in der Tat, es ist genau das. Alles ist freigelegt und so schaut man auf Hydrauliken, auf Batterien, auf den Antrieb, die Kommunikationsinstrumente. Ich verstehe ja von Technik nicht wirklich etwas, doch es war spannend, die vielen Stahlrohre zu verfolgen, um zu schauen, wo diese langlaufen und enden. Ein echtes Suchspiel, denn der Förderverein der „Wilhelm Bauer“ hat im Boot vorher existente Bodenplatten entfernt, damit man einen Blick auch in die unteren Sektionen werfen kann. Beeindruckt hat mich auf alle Fälle die Tatsache, wie viel Handarbeit in der Bedienung steckte.

Geradezu idyllisch: im Vordergrund räkeln sich Kormorane, im Hintergrund liegt still das U-Boot „Wilhelm Bauer“. (c) Dörte Behrmann

Der Besuch im Technikmuseum nimmt rund eine Stunde in Anspruch. Rund 11.000 Interesierte besuchen jährlich das Schiff, das von Mitte März bis Mitte November von 10 bis 18 Uhr geöffnet hat. Wer seinen Besuch planen und mehr über das Stahlboot wissen möchte, der schaut sich auf der Website um.

Mit der Bremer Kogge auf Zeitreise

Nur wenige Schritte entfernt, ebenfalls am Alten Hafen, ist der nächste Schiffsbesuch möglich. Diesmal aber muss man nicht aufs Wasser, denn rund um die historische Kogge wurde von 1973 bis 1976 die sogenannte „Koggehalle“ gebaut. Hier wird die „Bremer Kogge“ seit 2017 neu und spannend präsentiert.

Im Mittelpunkt die Kogge, drumherum auf drei Ebenen verschiedene Mitmach- oder Informationsstationen. (c) Dörte Behrmann

Schon auf den ersten Blick vermittelt sich die Originalität des Schiffskörpers, denn der ist nicht vollständig erhalten. Es ist der Findigkeit der Wissenschaftler am deutschen Schifffahrtsmuseum und deren Geduld zu danken, dass wir heute überhaupt auf diesen 20 Meter langen und acht Meter breiten Rumpf schauen können. Denn was bei Bauarbeiten 1962 in der Weser bei Bremen gefunden wurde, waren nichts anderes als Bretter. Leider lag keine Bauanleitung daneben, so wurde fünf Jahre lang gepuzzelt. Und das unter besonderen Bedigungen: 20 Jahre musste das Holz in einem Tank und einer besonderen Flüssigkeit aufbewahrt werden, um es nach und nach zu trocknen.

Bloggerinn Mareike Heger (girl on travel) hat sichtlich Spaß an den Aktionsstationen in der Koggehalle (c) Dörte Behrmann

In der Koggehalle kann man drei Erkenntnisinteressen nachgehen: Ebene Eins vermittelt alles rund um Koggen, wie sie gebaut wurden, wer sie befuhr, was ihr Auftrag war. Man erfährt zum Beispiel, dass die Eichen, aus der die Bretter für die „Bremer Kogge“ stammen, 1378 im Weserbergland geschlagen wurden.

Belade den Schiffskörper so, dass er in stabiler Lage bleibt – an vielen Stationen könne vor allem Kinder selber Hand anlegen und etwas über Koggen herausfinden. (c) Dörte Behrmann

Ebene Zwei befasst sich mit der Hanse, ihrer Blütezeit und ihrem Niedergang. Tatsächlich ist der Wirtschaftsverbund Hanse 1690 das letzte Mal zusammengekommen. Auf Ebene Drei wird dem Mythos Hanse nachgegangen, wie wir heute die Hanse nutzen – vor allem im Marketing, ist festzustellen.

Blogger Bernd Meyer (Herr Bernd Meyer) fotografiert historische Münzen, auf denen Koggen als Synonym für die Hanse abgebildet sind. (c) Dörte Behrmann

Den Museumsmachern des Deutschen Schifffahrtsmuseums ist es mit der Koggehalle geglückt, ein Thema, das so weit weg erscheint, total spannend und mit vielen Bezügen zur Jetztzeit zu präsentieren. Der Besuch im Koggehaus ist nicht nur für historisch Interessierte lohnend, sondern für die ganze Familie. Eine Stunde dauert es mindestens, um alles zu erfassen. Der Museumsshop ist originell bestückt, Getränke sind an der Kasse zu erwerben. Aktuell gilt die Aktion „pay what you want“ – zu Deutsch: Zahle, so viel du möchtest – da der Rest des Museums wegen Umbaus geschlossen ist. Mehr dazu auf der Website und in diesem Logbuch-Blogbeitrag.

Schiffe bei Kaffee und Kuchen

Ein Tag zum Thema „Schiff“ wäre unvollständig, ohne in die Häfen Bremerhavens geschaut zu haben. Ich hatte mich für eine Hafenrundfahrt durch die Überseehäfen entschieden, aber auch die Fahrt mit dem Hafenbus oder eine Hafenrundfahrt durch den Fischereihafen wäre möglich gewesen.

Näher geht es nicht und die Perspektive erlaubt spannende Erlebnisse. (c) Dörte Behrmann

Autotransporter wie das Schiff oben, Spezialschiffe, Containerriesen oder Schlepper, Privatyachten oder Kreuzfahrtschiffe – die Hafenrundfahrt durch die Überseehäfen in Bremerhaven zeigt den Facettenreichtum der Seeschifffahrt. Doch wer die Giganten der Meere nur von Weitem an sich vorbeifahren sieht, der erfasst nicht wirklich die Dimension. Die ergibt sich erst, wenn man knapp über der Wasseroberfläche sitzend von unten auf sie schaut. Wie hier:

Die beeindruckenden visuellen Eindrücke toppt der Kapitän unserer Barkasse der Firma „Harufa“, der launig und kenntnisreich unsere Blicke immer wieder rechts und links zu spannenden Details lenkt. Man bekommt das Gefühl, die riesigen Überseehäfen sind sein Zuhause und man könnte ihn alles fragen. Erfahren wie er ist, erzählt er jedoch nur das Notwendigste, um seine Gäste nicht zu überfordern. Prima auch, dass seine fleißigen und wohl organisierten Servicekräfte an Bord derweil Kuchen und die gewünschten Getränke ausliefern.

Weil der Panamakanal so eng ist – in der Regel bleiben jeweils fünf Zentimeter rechts und links – verschrammen die Schiffe in kürzester Zeit. Zu sehen nur bei der Hafenrundfahrt durch die Überseehäfen. (c) Dörte Behrmann

Die Hafenrundfahrt dauert eine Stunde, es fahren zwei Barkassen zeitversetzt. An Bord gibt es Kuchen, kleine Speisen und Getränke. Nähere Infos auf der Website.

Übrigens: Die Aufnahmen entstanden im Rahmen eines Aktionstages für Blogger aus Bremen und Bremerhaven. Ich danke den beiden Bloggern Mareike Heger und Bernd Meyer sehr herzlich, dass ich sie auf meinen Fotos zeigen durfte.