Ein Hauch von Welt…

Sie sind da. Die „Pollution Pods“. Sie stehen vor dem Klimahaus Bremerhaven 8° Ost.

Über Nacht sind sie aufgetaucht. Fünf große, begehbare Kuppeln aus natürlichen Materialien.

Pollution Pods: 5 geodätische Kuppeln, die die Umweltumgebung von Weltmetropolen nachahmen.

Ihr Inhalt ist alles andere als natürlich. Vom Menschen verursachte Düfte – oder besser Gestank?  Aus den verschiedensten Metropolen der Welt. Die urbanen Lebensverhältnisse dieser Städte werden für den Besucher erlebbar gemacht. Gerüche, Luftfeuchtigkeit, Temperaturen. Einzig die erste  Kuppel mit den Bedingungen aus Trondheim verspricht da „gesunde Luft“.

Dass die Luft in vielen Metropolen fürchterlich ist, weiß man ja. Aber wie fühlt es sich wirklich an? Heute steht ein Vorabbesuch der Kunstinstallation, die morgen eröffnet wird, auf dem Programm. Einziger Schönheitsfehler:

Der Autor hat Schnupfen – und riecht nix… Was her muss, ist ein Hund.

Pollution Pods und Schnupfen: Eine blöde Kombination…

Oder ein Azubi. Besser noch zwei.

Katja und Filip, unsere kaufmännischen Auszubildende für Tourismus und Freizeit, laufen mir über den Weg. Und schwupps sind sie gecastet für den Job.

Während Filip die künstlerische Seite des temporären Bauwerks bewundert, geht Katja  eher skeptisch an die Sache ran. Dem „Duft der weiten Welt“ scheint sie irgendwie nicht  zu vertrauen.

Trondheim, London, New Delhi, Beijing, Sao Paolo.

Das sind die Stationen, die es u. a. olfaktorisch, mit dem Geruchssinn, zu erkunden gilt. Also rein in die Kugeln.

„Ja“, sagt Katja. „Aber wehe, es stinkt?!“. Nein, sage ich. Es duftet. In Beijing nach Jasmintee, in Delhi nach Kurkuma, in Sao Paolo nach Kaffee, …“. Wohl wissend, dass es um ein ernstes Thema geht: Die extreme Luftverschmutzung in Großstädten in fast allen Teilen der Welt! Aber irgendwie müssen diese Azubis da ja nun reinbewegt werden. Kleine Notlügen sind okay. Außerdem weiß ich:  Die hier nachgestellten Düfte sind vollkommen ungefährlich, ganz anders als die echten Stoffe, die in der Atmosphäre der Millionenmetropole täglich auf die Einwohner warten.

Ich bleib draußen. Und beantworte in der Viertelstunde, in der ich auf die beiden warte, rund einem Dutzend Passanten Fragen zu dem großen merkwürdigen Ding da vor dem Klimahaus. Das Interesse scheint jedenfalls groß zu sein, noch bevor die Pollution Pods eröffnet sind.  „Täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet“, rufe ich den vielen Neugierigen zu.  „Das ist ja spannend!

Ich komm dann mal auf einen kleinen Geruchsspaziergang vorbei“,

sagt eine ältere Dame. Gerne. Das Erlebnis sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen. Und kostenlos ist es auch noch.

Ich warte. Ob ich doch reingehe? Ich riech ja nix. Aber, vielleicht hilft die eine oder andere „Großstadtluft“ sogar  gegen meine Erkältung?

Schon sind sie wieder draußen. Filip scheint immer noch mit den Augen die geodätischen Kuppeln gebannt zu vermessen. Oder zu bewundern.

Katja dagegen hat –  Was hat sie denn da?

NEIN! Eine Wäscheklammer auf der Nase?!

Nana, so schlimm isses auch nicht, Katja!

„Nur Spaß“, ruft sie beim Verlassen der letzten Kugel. „Ich war ja etwas voreingenommen. Aber die Kugeln sind wirklich ein interessantes Erlebnis. Und ich bin froh, dass wir in Bremerhaven so gute Luft haben. Wer möchte denn aus dem Haus gehen und in so einer Umgebung leben?“  sagt sie und ergänzt lachend:  Da würde ich ja den ganzen Tag ein Raumspray benutzen!

Katja! Raumspray?! Das ist eine Kunstinstallation!

Tatsächlich sind die Pollution Pods ein großes Kunstwerk.

Dieser Aspekt gefällt Filip scheinbar besonders an den Kugeln. (Er schwebt irgendwie gefühlt immer noch durch die Kuppeln. Hat ihn irgendein Geruch vielleicht high gemacht?)

Azubi Filip zeigt Emotionen: Dieses Kunstding ist genau sein Ding!

Filip! Wie war´s denn nun?

„Die Pollution Pods geben ein hervorragendes Beispiel für die Notwendigkeit des Klimaschutzes wie wir ihn hier im Klimahaus täglich vermitteln. Ein erster Vorgeschmack, so zu sagen. Im wahrsten Sinne…  Und als die Ersten in Deutschland, die diese Installation zeigen, setzen wir eine echt coole Duftmarke“.

„Der wird nochmal Dichter oder Künstler“, denke ich.

Egal, ob man sich für die negativen Auswirkungen des Klimawandels, die Luftverschmutzung oder doch für den künstlerischen Aspekt der „Pollution Pods“ interessiert, die fünf Kugeln vor dem Klimahaus Bremerhaven provozieren und sind besonders im Dunkeln ein echter Hingucker.

Bis zum 9. Dezember haben Besucher Zeit, mal eine Nase von Neu Delhi, Sao Paolo oder den anderen Städten zu nehmen, bevor die Pollution Pods wieder aus Bremerhaven verduften.