Die Wiedehopfe, Tweety und Spot, zwei elegante Bodenjäger, verzaubern ab sofort die Besuchenden des Zoo am Meer Bremerhaven. Ich bin heute mit unserer Obertierpflegerin Katja verabredet, denn ich möchte die beiden bei ihrer morgendlichen Fütterung näher kennenlernen.
Wiedehopfe sind „Untermieter“ bei den Eichhörnchen
Als ich mit Katja das Gehege der Wiedehopfe betrete, werden wir direkt von drei frechen Eichhörnchen begrüßt, die das Gehege mit den Wiedehopfen teilen. Ein Eichhörnchen läuft flink an meinem Rücken hoch und springt von meinem Kopf auf den nächsthöheren Ast. Den oberen Bereich des Geheges beanspruchen eindeutig die Eichhörnchen für sich.
Ich wende meinen Blick ab – Richtung Boden – und versuche mich von den quirligen und niedlichen Eichhörnchen nicht ablenken zu lassen. Denn heute bin ich hier wegen Tweety und Spot. So heißen unsere beiden Wiedehopfe, die sich ganz der Natur bodenorientierter Vögel, am liebsten im unteren Bereich des Geheges aufhalten, um hier nach Nahrung zu suchen.

Der Wiedehopf liebt Insekten
Der Wiedehopf liebt Insekten. Katja hat eine Futterschale mit Bienenmaden und Soldatenfliegenlarven dabei. Diese werden in der Futterschale mit etwas Wasser eingeweicht. Katja stellt sie dann im beheizten Innenraum auf eine Holzablage. Neben diesen Leckereien mögen die Wiederhopfe auch Heimchen und unsere im Zoo selbst gezüchteten Mehlwürmer. Heute hat Katja außerdem einen besonderen Leckerbissen dabei: Große Heuschrecke

Der Wiedehopf ist ästhetisch und wachsam
Im Gehege gehe ich neben Katja in die Hocke und sofort nähern sich Tweety und Spot. Sie sind definitiv nicht ängstlich, aber dennoch sehr wachsam. Sie beobachten mich und meine Kamera mit neugierigem Blick. Tweety legt den Kopf schief, als wolle sie fragen, was ich denn hier möchte. Ich blicke nicht weniger neugierig zurück.

Tweetys auffällige Federhaube erinnert mich an einen Irokesen-Kopfschmuck. Mit ihrem kupferfarbenen Gefieder und den hellen Federn unter ihrem langen, dünnen und leicht nach unten gebogenem Schnabel wirkt sie äußerst elegant. Flügel und Schwanz der Wiedehopfe sind auffällig schwarz-weiß gebändert. Dieser auffällige Kontrast fesselt meine Aufmerksamkeit. Da löst Tweety den Blick von mir und ich staune wie flink und flatternd sie sich über den Boden bewegt. Sie wirkt dabei beinahe zart. Ich kann es kaum glauben, dass diese Vögel zur Überwinterung bis zu 5000 km in die Sahelzone nach Afrika fliegen.
Wiedehopfe sind hervorragend angepasste Bodenjäger
Tweety und Spot sind wie alle Wiedehopfe Bodenjäger. Die markante schwarz-weiße Musterung löst ihre Körperform optisch auf und sie sind damit hervorragend am Boden getarnt. Ihre pinzettenartigen Schnäbel sind perfekt, um Insekten aus dem Boden zu picken. Tweety und Spot machen jetzt genau das: Sie picken flink und gezielt mit ihren langen Schnäbeln nach den großen Heuschrecken, die Katja ihnen hingeworfen hat. Beide schütteln die Heuschrecken und picken auf ihnen herum, so lange, bis die Heuschrecke aufgibt und zur proteinreichen Delikatesse wird.

Der Wiedehopf ist in Deutschland stark bedroht
Während ich fasziniert unsere zwei Wiedehopfe beobachte wird mir bewusst, dass genau dieses Jagdverhalten am Boden dem Wiedehopf in der Wildbahn zum Verhängnis wird. Intensive Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden bewirken, dass es kaum noch insektenreiche Böden gibt. Durch die Verstädterung und intensive Bebauungen werden Flächen und Böden versiegelt. Offene Graslandschaften, Streuobstwiesen oder Brachflächen, optimalerweise mit einem alten Baumbestand, in deren Baumhöhlen die Vögel nisten können, finden sie kaum noch. In Deutschland leben mittlerweile nur noch wenige Brutpaare. Sie sind z.B. am Oberrhein (Kaiserstuhl in Baden-Württemberg), Brandenburg, Sachsen-Anhalt, sowie Bayern (Unter- und Mittelfranken) zu finden. Seid ihr schon mal einem dieser in Deutschland selten gewordenen Wiedehopfe in der Wildbahn begegnet?
