Ungewöhnlicher Kneipenbummel durch Bremerhavens Szene

Wenn am kommenden Samstag die Aktion „Tresen am Meer“ durch die Stadt plätschert, könnt ihr nicht nur ein musikalisch und künstlerisch sehr abwechslungsreiches Programm erleben. Ihr habt dann auch die Gelegenheit tolle, urige, einzigartige und spannende Bremerhavener Lokale, Kneipen und Gaststätten kennenzulernen, von denen ihr wahrscheinlich schon gehört habt, aber in denen ihr – noch viel wahrscheinlicher – nie gewesen seid. Ich bin für euch schon mal vorgeschwommen und verrate euch, was euch bei unserem ungewöhnlichen  Kneipenbummel so erwartet. Prost!

Kleine Hexe

Mit der Eckkneipe "Kleine Hexe" erwartet euch ein Leher Original. (c) Marco Butzkus
Mit der Eckkneipe „Kleine Hexe“ erwartet euch ein Leher Original. (c) Marco Butzkus

Wenn ihr ihr eine echte Leher Eckkneipe besuchen möchtet, dann wäre die „Kleine Hexe“ im Goethequartier keine schlechte Wahl. Hier gibt es zwischen Steuerrad, Fischernetz, Flaschenbier und Sambuca urige Leher Gemütlichkeit. Direkt neben der Theke deutet ein verheißungsvolles Schild mit der Aufschrift „Reeperbahn“ in Richtung Hamburg. Wirt Rudi kann über diesen mutmaßlichen Abwerbeversuch aus Elbrichtung nur müde lächeln. Er genießt in völliger Gelassenheit das bunte Treiben in seinem Laden. Tatsächlich braucht er die berühmteste Amüsiermeile Deutschlands in seiner „Hexe“ nicht zu fürchten. Wer hier her kommt, wählt Leher Eckkneipe und Vertrautheit. Weltstädtischer Glamour und flackerndes Rotlicht ist für andere. Der kleine Feuerlöscher unweit der Reeperbahn legt zudem den Verdacht nah, dass es auch hier schon mal heiß hergehen kann – ohne allerdings, dass man dabei etwas anbrennen lässt. Die „Kleine Hexe“ ist echter Leher Kiez – genauer gesagt Goethe Kiez zum Entdecken mit allem Drum und Dran. Hier findet ihr ein bunt gemischtes Publikum jeden Alters, gute Stimmung und die passende Musik zu angenehmen Preisen. Die „Hexe“ ist übrigens eine Raucherkneipe. Bei gutem Wetter gibt es aber Sitzplätze vor der Tür.

„Kleine Hexe“, Uhlandstraße 23, 27576 Bremerhaven

Marper’s Inn

Freundlich, persönlich, echt britisch: das "Marper's Inn" im Goethequartier. (c) Marco Butzkus
Freundlich, persönlich, echt britisch: das „Marper’s Inn“ im Goethequartier. (c) Marco Butzkus

Ungefähr drei Ecken weiter und dann einmal quer über die Goethestraße hinweg findet ihr das „Marper’s Inn“. Eine stilechte britische Bar mit Bistrobetrieb. Und was der „Hexe“ ihr Rudi, ist dem „Marper’s“ sein Paul. Gemeinsam mit seiner Frau Andrea bietet der gebürtige Londoner hier neben gemütlicher Atmosphäre auch kreative Küche und nette Unterhaltungen an. Der Laden hat richtig frischen Wind in das Goethequartier hineingeblasen. Die Innengestaltung ist freundlich und sehr persönlich, denn fast alle Einrichtungs- und Dekogegenstände im „Marper’s“ wurden den Inhabern von ihren Gästen überreicht. Eine Ausnahme sind die ausgestellten Gemälde der britischen Malerin Ann Grüttert, die lange hier im Quartier gelebt hat. Wenn euch also nach einem leckeren englischen Frühstück oder einer hervorragenden Portion „Bangers & Mesh“ der Sinn nach einem der Bilder steht, die dort hängen – sprecht einfach Andrea darauf an. Die Werke aus dem Nachlass der Malerin stehen nämlich zum Verkauf. Achtet bei eurem Besuch bitte unbedingt auch auf die vielen kleinen und liebevollen Details, die ihr im „Marper’s Inn“ entdecken könnt. Beispielsweise die beiden „Winker-Figuren“ – der Queen und Mr. Bean –  oder das Holzdekoschild mit dem Spruch: „I don’t need Google, my wife knows everything“.

Marper’s Inn, Goethestraße 31, 27576 Bremerhaven

Hotel Metropol

Zu einer Zeitreise in die 1920er - stellenweise auch die 1950er - lädt das "Hotel Metropol" in Lehe ein. (c) Helmut Gross
Zu einer Zeitreise in die 1920er – stellenweise auch die 1950er – lädt das „Hotel Metropol“ in Lehe ein. (c) Helmut Gross

Habt ihr schon mal eine richtig alte Leher Schankstube gesehen? Wenn nicht, dann kommt unbedingt im „Hotel Metropol“ vorbei. Das ehemalige Hotel mit Kneipenbetrieb markiert das westliche Ende des Bremerhavener Rotlichtbezirks und wird von Wirtin Ute bereits in dritter Generation als Familienbetrieb geführt. Mutter Irmtraut gehört genauso zum Inventar wie die alte Musikbox der Marke Seedorf, die Elvis butterweiche Stimme im Tausch gegen harte D-Mark-Stücke freigibt. Diese wiederum gibt es an der Theke – im Tausch gegen Euros. Schankraum, Gastraum und Clubzimmer gleichen einer stilistischen Zeitreise von den 1920er in die 1950er Jahre. Der Laden kokettiert dabei sowohl mit seiner Vergangenheit als erster US-Club in der Stadt, wie auch mit seiner Nähe zum Rotlicht-Amüsierviertel, das ihr mit einem Sprung auf die andere Straßenseite erreichen könnt. Wenn ihr euch ein Bild davon machen möchtet, wie die Bremerhavener Club- und Kneipenszene in der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit aussah, seid ihr hier goldrichtig. Die passenden Getränke gibt es auch gleich mit dazu. Wenn ihr das Metropol besucht – in dem übrigens auch regelmäßig Kleinkunst geboten wird – solltet ihr euren Fotoapparat nicht vergessen. Ach ja – wie es in der guten alten Zeit üblich war, darf man im Metropol rauchen – auch heute noch.

Hotel Metropol, Potsdamer Str. 45, 27568 Bremerhaven

Alt Bremerhaven

Mehr Jahre im Gemäuer hat keine Kneipe in der Seestadt, als das "Alt Bremerhaven" (c) Marco Butzkus
Mehr Jahre im Gemäuer hat keine Kneipe in der Seestadt, als das „Alt Bremerhaven“ (c) Marco Butzkus

Wenn euch das noch nicht genug Geschichte war, solltet ihr vielleicht mal im „Alt Bremerhaven“ vorbei schauen. Der Gastronomiebetrieb, der in der unmittelbaren Nähe zur Großen Kirche zu finden ist, ist tatsächlich und wahrhaftig – wer hätte beim Namen nicht von selbst darauf kommen können – die älteste Kneipe Bremerhavens. Das 1839 erbaute Gebäude, in dem die Wirtschaft untergebracht wurde, ist eines der sehr wenigen Häuser im historischen Stadtkern von Bremerhaven, die den 2. Weltkrieg unversehrt überstanden haben. Es ragt von außen wie von innen aus der es umgebenden Architektur heraus. Die liebevoll zusammengestellte Einrichtung vermittelt zugleich den ungefilterten Eindruck, mitten in einem kleinen Museum zu sitzen. An den weinroten Wänden hängen alte Bilder, Zeichnungen und Schriftstücke. Die alten Schränke und Regale stehen voll mit Büchern, Dekogegenständen, Porzellan, Nippes und alten Weinflaschen. Dazu gibt es gedämpfte Musik – vornehmlich aus den 1980er Jahren –dezente Beleuchtung und sehr freundliche Bedienung. Wenn ihr ins „Alt“ geht, solltet ihr unbedingt die Altbierbowle und die Käsestangen dort versuchen. Beides ist sind bei eingefleischten „Alt-Gängern“ ein Muss.

„Alt Bremerhaven“, Prager Str. 49, 27568 Bremerhaven

Markt-Treff

Der "Markt-Treff" in Geestemünde zeigt sich tradionsbewusst, gemütlich und als typische Kneipe (c) Marco Butzkus
Der „Markt-Treff“ in Geestemünde zeigt sich tradionsbewusst, gemütlich und als typische Kneipe (c) Marco Butzkus

Szenenwechsel. Luftlinie einmal über die Geeste hin weg und ein kleines Stückchen Richtung Süden findet ihr die traditionsreiche Geestemünder Gaststätte „Markt-Treff“. Hier begrüßen euch Olaf und Katrin in der ihnen eigenen freundlichen Art. Ein „Moin“ und die Umarmung für Stammgäste gehören dazu. Der Innenraum des „Markt-Treff“s ist eine wirklich gelungene Mischung aus hellen Farben und Geestemünder Gemütlichkeit. Die Bilder und Urkunden an den Wänden erzählen viel über die Entwicklung des heutigen Bremerhavener Stadtteils Geestemünde, der vor hundert Jahren noch eine eigene kreisfreie Stadt mit eigenem Stadtrecht war. Die Räumlichkeit wird von einer Art offenen Laube mit Fachwerkbalken und viel künstlichem Grün bestimmt. An einer Wand zieren Knotentafeln und Bilder von Schiffen und Leuchttürmen die Wände. An einer anderen gibt es alte Fotos aus der Gründungszeit der ehemaligen Geestemünder Mitte zu sehen. Der „Markt-Treff“ ist eine „richtige“ Kneipe mit einem Stammtisch, Preisskat und allem Pipapo das dazugehört. Wenn ihr Obstbrände und Kräuterschnäpse mögt, seid ihr bei Olaf und Katrin richtig. Fragt doch einfach mal nach dem „Kräutergarten“. Im Nachbarraum könnt ihr Billard oder Dart spielen und bei schönem Wetter gibt es auch Sitzmöglichkeiten vor der Tür.

„Markt-Treff“, Neumarktstraße 12, 27570 Bremerhaven

Quartier 159

So stilsicher wie von Außen ist das "Quartier 159" auch von Innen (c) Marco Butzkus
So stilsicher wie von Außen ist das „Quartier 159“ auch von Innen (c) Marco Butzkus

Stilvoll und gediegen ist genau euer „Ding“? Dann seid ihr im „Quartier 159“ auf der Alten Bürger erstklassig aufgehoben. In dem kleinen aber feinen Lokal wurde bei der Innenraumgestaltung sehr viel Wert aufs Detail gelegt: Aufwendig freigelegte Rotsteinwände, dunkles Holz, Kerzenlüster an der hohen Decke. Stil und Design aus einem Guss. Betreiber Mike ist einer der dienstältesten Wirte auf der „Bürger“. Allein schon von diesem Umstand angetan, erinnert mich das Innere des „Quartiers“ ein wenig an den großen Spiegelsaal aus Roman Polanskis Komödie „Tanz der Vampire“. Deutlich kleiner, weniger Spiegel und keine Spinnenweben, aber sonst schon ähnlich. Auch musikalisch geht es hier ein wenig gesetzter zu. Jazz – gerne auch mal live – oder etwas Easy-Listening zum Wein, Longdrink oder zum frisch gezapften Bier. Dazu gepflegte Unterhaltungen mit Wirt und Gästen an der Theke, im Separee oder im Sommer an den Tischen vor der Tür. Das Quartier 159 bietet ein ganz besonderes Ambiente, das weit über die stilvolle Einrichtung hinaus geht und das entdeckt werden will. Also los, auf geht‘s.

„Quartier 159, Bürgermeister-Smidt-Straße 159, 27568 Bremerhaven

Die Veranstaltung „Tresen am Meer“ findet am Samstag, 6. Juli statt. Kneipenbummel mit musikalischem Programm. Mehr dazu auf dieser Website

Autor: Marco Butzkus