Sterne über Bremerhaven

Ein Blick in die Sterne ist romantisch, weckt Sehnsucht und wirkt gleichzeitig auch beruhigend. Dabei ist die Unendlichkeit des Himmelszelts fast nicht vorstellbar für mich. Die Sterne am Nachthimmel weisen den Kapitänen unserer Weltmeere aber auch den richtigen Weg über die Ozeane. Wie das funktioniert, davon bekomme ich im Planetarium Bremerhaven einen Eindruck.

Blick in den Sternenhimmel (c) Tanja Albert

Funkelnder Sternenhimmel (c) Tanja Albert

Freunde schauen mich mit großen Augen an: „Wie, in Bremerhaven gibt es ein Planetarium?“. Ja, gibt es! Und das bereits seit 60 Jahren. Seit acht Jahren ist es der Öffentlichkeit zugänglich. Immer noch ein Geheimtipp, aber den sollte sich niemand entgehen lassen! In Kooperation mit dem Alfred-Wegener-Institut und dem Schulamt Bremerhaven informiert Rolf Schäfer von „Sternenfreunde Bremerhaven e. V.“ immer am ersten Donnerstag über den aktuellen Sternenhimmel. Seiner Begeisterung für die hellen Himmelskörper kann sich keiner von uns dreißig Besuchern, die hier Platz finden, entziehen. Seine Faszination ist ansteckend und so lehnen wir uns erwartungsvoll auf unserem Platz zurück und blicken hoch in die sechs Meter hohe Kuppel des Planetariums.

Buntes Planetenmodell im Planetarium Bremerhaven (c) Tanja Albert

Planetenmobile im Planetarium Bremerhaven (c) Tanja Albert

Ein Blick in die Sterne

Es geht los! Der Raum wird abgedunkelt und über uns erscheint das glitzernde Himmelszelt mit hunderten von Sternen. Rolf Schäfer erzählt Bekanntes und Neues. Dabei werden Fragen aufgeworfen, über die ich mir bislang noch gar keine Gedanken gemacht habe. Eine davon ist, warum gibt es eigentlich die unterschiedlichen Jahreszeiten auf unserem Planeten? Die Antwort in aller Kürze: Das liegt am Mond, denn er stabilisiert unsere Erde, deren Erdachse eine Neigung von 23,5 Grad hat. Somit ist eine Seite näher an der Sonne als die andere. Auf der näher zu Sonne gewandten Seite herrscht dann Sommer und auf der ferneren Winter.

Mondglobus im Planetarium Bremerhaven (c) Tanja Albert

Mondglobus im Planetarium Bremerhaven (c) Tanja Albert

Der magische Mond

Der Mond entstand übrigens vor etwa 4 Milliarden Jahre. Aber es dauerte bis zum 20. Juli 1969, bis es den Menschen gelang, zum Mond zu fliegen und das erste Mal einen Fuß darauf zu setzen. Ein Ereignis, das weltweit für Furore sorgte. Entwickler der Rakete war übrigens der gebürtige Deutsche Wernher von Braun, der später in die USA auswanderte. Die Raketen verfügen über 150.000.000 PS. So viele Zahlen, die wir hier zu hören bekommen, sind fast unvorstellbar!

Am 21. Januar 2019 gab es übrigens eine totale Mondfinsternis. Bis zur nächsten müssen wir noch etwas warten. Die nächste wird am am 31. Dezember 2028 sein. Dafür dürfen wir am 16./17. Juli 2019 auf eine partielle Mondfinsternis gespannt sein.

Bild mit Breiten- und Längengraden im Planetarium Bremerhaven (c) Tanja Albert

Historisches Bild im Planetarium Bremerhaven (c) Tanja Albert

Wie findet man seinen Weg auf dem offenen Meer?

Was noch viel spannender ist, ist die Frage, wie Seeleute anhand der Sterne ihren Weg über die endlosen Ozeane fanden? Ein Problem, dem wir heute im Zeitalter der mobilen Navigationssysteme gar keine Bedeutung mehr beimessen. Aber hier im Planetarium lernten seinerzeit die angehenden Kapitäne und Steuermänner die Navigation anhand von Sternen. Wie das funktioniert, davon bekommen wir jetzt einen kleinen Eindruck.

"Seekarte" im 2EscapeRoom (c) Tanja Albert

Eine ganz „spezielle“ Seekarte aus dem 2EscapeRoom (c) Tanja Albert

Zu der Zeit, als Menschen aufbrachen, um neue Gebiete zu entdecken, wussten die Seeleute noch nicht einmal, wie groß die Erde ist und Seekarten gab es auch noch nicht. Sie konnten sich also nur an dem orientieren, was sie sahen. Und das ist auf den endlosen Weiten eines Ozeans nicht viel.

In Küstennähe konnten sie sich anhand markanter Gebäude oder Gebirgen orientieren. Auf See ist das aber nicht möglich. So entstanden bereits ab dritten Jahrtausend vor Christus die ersten Seehandbücher, in denen notiert wurde, wo mit Unwettern, Untiefen und gefährlichen Strömungen zu rechnen ist, die ein Schiff vom Kurs abbringen oder gar kentern lassen konnten. Das war zwar hilfreich, aber nicht verlässlich. Also lernen die Seeleute, sich an den Sternen zu orientieren und anhand des Sonnenstandes, die Himmelsrichtungen zu bestimmen. Sollte eine Reise gen Norden führen, zeigte der Polarstern die Richtung an.

Die Gefahr ist immer mit an Bord

Diese Richtungsbestimmungen feiten die Seefahrer aber nicht davor, ihren Kurs durch starke Stürme oder rauem Seegang zu verlieren. Das konnte bedeuten, dass ein Schiff weit vom Kurs abkam und sein Ziel verfehlte. Stießen sie nicht wieder auf Land, konnten Lebensmittelvorräte und Wasser an Bord knapp werden und so das Überleben der Seeleute gefährden.

Es wurden die ersten Hilfsmittel, wie der Jakobsstab und der Sextant und später der Kompass, erfunden. Das alles klingt sehr kompliziert in meinen Ohren. Dennoch ist es trotz heutiger modernster Navigationssysteme unerlässlich, dass die Kapitäne und Steuermänner anhand von Sternen navigieren können, falls die Technik mal versagen sollte. Wer nun denkt, dass die Schifffahrt bei Nacht oder bedecktem Himmel brach lag, täuscht sich. Die Wikinger nutzen seinerzeit schon einen Sonnenkompass. Aber das ist eine weitere Wissenschaft für sich.

Im Planetarium Bremerhaven (c) Tanja Albert

Im Planetarium Bremerhaven (c) Tanja Albert

Die Zahlen und Erläuterungen schwirren in meinem Kopf, während ich das Sternenzelt an der Kuppel über mir betrachte. Was für eine Schönheit, die noch dazu unzähligen Seefahrern den sicheren Weg zu ihrem Ziel wies. Ich versuche, verschiedene Sternbilder zu erkennen. Zum Glück zeigt Rolf Schäfer sie mit Hilfe eines Pointers, so dass wir die Sternenbilder mit ihren dazugehörigen Sternen erkennen können. Ob mir das auch allein unter freiem Himmel gelingen wird?

Tolle Angebote für Sternengucker

Aber auch dafür haben die Sternenfreunde Bremerhaven ein passendes Angebot. Monatlich finden, wenn es trocken ist und der Himmel wolkenfrei, Beobachtungen unter freiem Himmel in Lunestedt statt. Warum Lunestedt mag sich die eine oder der andere fragen. Den Grund dafür erklärt uns Rolf Schäfer und damit treffen wir auf das nächste Problem unserer modernen Zeit. Grund dafür ist die Lichtverschmutzung. Das bedeutet, dass es gerade in Ballungsräumen und Städten nicht mehr richtig dunkel wird, weil ständig Straßenbeleuchtung, Reklametafeln, Beleuchtung von Industrieanlagen und vielem mehr eingeschaltet ist. Das wiederum verhindert, dass wir den Sternenhimmel klar und deutlich erkennen können. Das ist aber vom Beobachtungsplatzes der Sternenfreunde Bremerhaven e. V. bei guten Wetter möglich. Auch hier sind Gäste herzlich willkommen! Sendet dazu einfach eine Anmeldung per E-Mail an: planetarium-bremerhaven@t-online.de oder meldet Euch telefonisch unter Tel: 0471 – 77755 an.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Wir verabschieden uns von Rolf Schäfer. Ich habe mir bereits den nächsten Termin zur öffentlichen Vorführung im Kalender notiert. Das Gesehene und Gehörte wirkt noch nach, als ich in die kühle der Nacht hinaustrete. Mein erster Blick richtet sich natürlich zum Sternenhimmel, der über mir leuchtet.

Auf einen Blick

Adresse:
Planetarium Bremerhaven
Bussestraße 24 (AWI-Gebäude beim Fähranleger der Weserfähre)
27570 Bremerhaven

Vorträge im Planetarium Bremerhaven
Jeweils am ersten Donnerstag in einem Monat um 19:00 Uhr. Voranmeldung erforderlich unter Tel. 0471 – 77755 oder an Planetarium-Bremerhaven@t-online.de

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Wer mehr über Navigation wissen will, findet dies hier

 

 

 

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