St. Patrick’s Day – Vom einst besinnlichen Fest zum grünen Massenspektakel

Durch meine Arbeit als Gästebetreuerin im Deutschen Auswandererhaus weiß ich, dass nicht nur Menschen, sondern auch Bräuche, Traditionen und Feste ausgewandert sind. Jedes Jahr am 17. März feiern Menschen auf der ganzen Welt den St. Patrick’s Day. Jedoch stelle ich mir die Frage, warum genau dieser Tag für viele Menschen so besonders ist, wieso feiern gerade die Iren das Fest groß und warum steht die Farbe Grün im Fokus? Diesen Fragen bin ich auf den Grund gegangen und habe viele interessante Dinge herausgefunden.

Der heilige St. Patrick ist einer der berühmtesten Schutzheiligen Irlands. Laut einer Legende brachte er im Jahr 432 das Christentum auf die Insel, machte das grüne Kleeblatt zu einem Modestatement und befreite Irland von der Schlangenplage. Der Feiertag findet an St. Patrick’s Todestag statt (17. März 461) und gilt in Irland seit mehr als 1.500 Jahren als religiöser Festtag.

Doch wer war dieser St. Patrick wirklich?

Eigentlich ist der Heilige St. Patrick kein Ire namens Patrick. Er wurde unter dem Namen Maewyn Succat geboren und war Brite – als Teenager wurde er dann in die Sklaverei nach Irland verkauft. Nach einigen Jahren gelang ihm die Flucht zurück in seine Heimat – so wurde er zu einem Bischoff namens Patrick und begann die irisch-keltischen Heiden zum Christentum zu konvertieren.

Woher kommt die Farbe Grün?

Wusstet ihr, dass die eigentliche Farbe des Heiligen St. Patrick’s damals blau war? Kaum zu glauben, aber wahr! Dennoch hat die Farbe Grün einen Bezug zu seiner Person, denn das dreiblättrige Kleeblatt ist ebenfalls ein wichtiges Symbol von St. Patrick. Mit Hilfe des heutigen grünen Glückssymbols soll er den Menschen die Dreifaltigkeit (Vater, Sohn, Heiliger Geist) erklärt haben. Aber erst seitdem der 17. März auch ein Nationalfeiertag Irlands ist, nachdem sich Irland im 20. Jahrhundert die Unabhängigkeit von der britischen Regierung erkämpft hatte, werden immer mehr die Farben Grün, Weiß und Orange getragen – die Nationalfarben Irlands!

Große Paraden, viel Musik und gute Laune – nicht nur in Irland, sondern weltweit!

Mittlerweile begegnet man dem Gedenktag kaum noch mit einem religiösen Hintergedanken – auch wenn noch einige traditionelle Gottesdienste stattfinden, haben diese eher an Bedeutung verloren. Dafür aber bilden riesige Paraden das prägnanteste Zeichen des St. Patrick’s Day. So wird der Nationalfeiertag der Iren auf eine besondere Art und Weise gefeiert. Es muss schon sehr eindrucksvoll sein, bei einer solchen Parade dabei sein zu können – Menschen verschiedener Nationalitäten treffen aufeinander, es wird viel gelacht, getanzt und gesungen. Gerade in Dublin marschieren Blaskapellen aus den USA, Europa und Irland in ihren grünen Kostümen zu den geschichtsträchtigsten Orten der Stadt. Da muss man wohl einmal in seinem Leben dabei gewesen sein, um diese ganzen Eindrücke auf sich wirken lassen zu können.

Als Gästebetreuerin freue ich mich auf die thematische Führung, die am St. Patrick’s Day im Deutschen Auswandererhaus stattfinden wird. Dabei erfahren die Besucher mehr über die Überfahrt und begleiten die irischen Auswanderer in die USA und nach Kanada. © Deutsches Auswandererhaus / Foto: Carolin Peckel.

Durch die zwei Millionen ausgewanderten Iren im 19. Jahrhundert, welche die Tradition zum St. Patrick’s Day in viele Länder der Welt getragen haben, ist dieser Feiertag in großen Teilen der Welt bekannt – so zum Beispiel auch in New York, London, Boston, Australien und sogar in München. Dann erstrahlt die Stadt mal nicht in den typisch bayrischen Farben Blau-Weiß, sondern in leuchtendem Grün und zahlreiche Pubs lassen sich an diesem Tag etwas ganz Besonderes einfallen: Am Odeonsplatz versammeln sich Menschenmassen um dort gemeinsam zu feiern.

In der thematischen Führung wird einem deutlich, welches Ausmaß die damalige Große Hungersnot für die Iren hatte. Von 1845 bis 1855 starben aufgrund der Kartoffelpest mehr als 1,5 Millionen Iren. © Deutsches Auswandererhaus / Foto: Carolin Peckel.

Was mich wirklich sehr beeindruckt hat, dass große Länder dieser Welt ihre Solidarität dem irischen Volk gegenüber ausdrücken, indem bekannte Wahrzeichen im grünen Licht erstrahlen – dazu gehören u.a. das London Eye, das Empire State Building in New York oder auch die Christus Statue in Rio de Janeiro.

Was einst einmal ein schlichter Feiertag zu Ehren des Heiligen St. Patrick’s war, hat sich in ein weltweit gefeiertes Fest mit Paraden, Festivals und traditioneller irischer Musik verwandelt. Die Menschen tragen die Nationalfarben der Iren und staffieren sich mit Kleeblättern aus.

Während der Reise in die USA und nach Kanada nahmen die Iren viel auf sich. Mit dem Heiligen St. Patrick und Hoffnung im Gepäck glaubte man an ein besseres Leben in der neuen Welt. © Deutsches Auswandererhaus / Foto: Carolin Peckel.

Am Sonntag, den 17. März 2019, ab 10.00 Uhr kehrt mit dem irischen Frühschoppen im Museumsrestaurant Speisesaal ein Stück irische Lebensweise ins Deutsche Auswandererhaus ein.

Bei traditioneller irischer Musik und Speisen können die Besucher den Tag auf eine ganze besondere Art beginnen. Wer zudem der irischen Tradition gemäß grün verkleidet erscheint, kommt in den Genuss des Green Tickets. Mit dem Green Ticket kommen Erwachsene, Rentner, Studierende, Schüler und Auszubildende für 10,00€ und Kinder (5-16 Jahre) für 5,00€ in die Dauerausstellung. Besucher, die darüber hinaus eine grüne Perücke auf dem Kopf tragen, erhalten freien Eintritt ins Museum.

Um 14.00 Uhr lädt das Deutsche Auswandererhaus herzlich zu einer thematischen Führung rund um den St. Patrick’s Day ein. Aufgrund einer Kartoffelpest und der Großen Hungersnot starben mehr als 1,5 Millionen Menschen; zwei Millionen wanderten in die USA, nach Kanada und Australien aus – wie es den Iren in ihrer neuen Heimat mit St. Patrick an ihrer Seite erging und wie sich der St. Patrick’s Day jenseits vom Atlantik entwickelt hat, erfahrt ihr im Deutschen Auswandererhaus.

Von Carolin Peckel, Bremerhaven

Weitere Informationen unter: https://dah-bremerhaven.de/st-patricks-day/