Schaufenster Fischereihafen – Erfolgsgeschichte rund um den Fisch

Ihr kommt aus Bremerhaven oder seid bei uns schon zu Besuch gewesen? Dann kennt ihr bestimmt das Schaufenster Fischereihafen. Im Herzen des Fischereihafen Bremerhaven gelegen, findet ihr hier seit mittlerweile 25 Jahren ein beliebtes Ausflugsziel für Fischliebhaber. Denn rund um den Marktplatz am Hafenbecken des Fischereihafen I könnt ihr hier nicht nur Fisch sondern auch die maritime und authentische Atmosphäre genießen.

Vor allem laden euch Fischgeschäfte, Räuchereien und Restaurants zum Bummeln ein. Aber auch das Veranstaltungszentrum Fischbahnhof mit der Ausstellung Expedition Nordmeere und dem Theater im Fischereihafen und dem Seefischkochstudio bieten euch eine Vielzahl an Veranstaltungen und Angeboten. Und die zahlreichen Außenveranstaltungen, allen voran die Fischparty und der Musiksommer, sind mir und den meisten anderen Besuchern des Schaufenster Fischereihafen wohl bestens vertraut. So weit, so gut.

Wie es allerdings Ende der 1980er Jahre zu der ja eigentlich recht ungewöhnlichen Idee kam, in einem zu weiten Teilen brach liegenden Areal inmitten des Fischereihafen Bremerhaven, ein neues touristisches Ausflugsziel etablieren zu wollen, war mir völlig unbekannt.

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums vom Schaufenster Fischereihafen, an dem ich bei der Organisation einer Fotoausstellung im Fischbahnhof mitgewirkt habe und die die Besucher (noch bis Weihnachten 2017) auf eine Zeitreise durch die Geschichte des Schaufenster Fischereihafen mitnimmt, bot sich mir jedoch die Gelegenheit, mich näher mit der Entstehungsgeschichte des Schaufenster Fischereihafen zu beschäftigen. Und ich war überrascht, wie sich aus einer als „verrückt“ bezeichneten Idee ein führendes touristisches Areal rund um den Fisch an der deutschen Nordseeküste entwickeln konnte. Jetzt möchte ich euch ein bischen von dem, was ich erfahren habe, erzählen.

Die Keimzelle des Fischereihafens

Was ich beispielsweise nicht wusste, war, dass die Fläche des heutigen Schaufenster Fischereihafen eine historische Bedeutung hat. Denn an dieser Stelle entstand 1896 der Fischereihafen Geestemünde. Und noch heute könnt ihr an den Namen der Straßen entlang des Hafenbeckens die ursprüngliche Funktion der Anlagen erahnen. Denn am Fischkai löschte man die Schiffe nach der Fangreise und versteigerte und verarbeitet die Fische in den Packhallen. Und am Kohlenkai gegenüber bunkerten Schiffe dann gleich danach neue Kohle für die nächste Fangreise. Noch heute könnt ihr am Kohlenkai die ehemalige Eis-Bunkerstation sehen. Bis 2014 war diese sogar noch in Betrieb.

Historische Ansicht des Fischereihafens Bremerhaven

Das Foto habe ich von unseren Herren aus dem historischen Archiv der FBG. Hier seht ihr eine Aufnahme vor dem 2. Weltkrieg zu Hochzeiten der Hochseefischerei. Heute ist hier das Schaufenster Fischereihafen. An der linken Seite des Hafenbeckens am heutigen Fischkai liegen die Schiffe direkt vor der ehemaligen Pack- und Auktionshalle III. Und auf der rechten Seite am Kohlenkai, wurden Schiffe mit Kohle beladen. Weiter unten am Ende des Hafenbeckens seht ihr die Slipanlage der Tecklenborgwerft. Hier ist heute der Marktplatz des Schaufensters. Und links neben dem Slip seht ihr die Halle IV. Und schließlich seht ihr auf der gegenüberliegenden Seite der Slipanlage eine Fischmehlfabrik. Dort steht heute die ehemalige Fischversandhalle – der heutige Fischbahnhof. © Historisches Archiv der FBG

Von diesem Punkt aus entwickelte sich der Fischereihafen bis heute zum führenden Fischverarbeitungsstandort in Europa. Hier könnt ihr zahlreiche fischverarbeitende Unternehmen finden. Vom alteingesessenen Familienbetrieb bis hin zu Großunternehmen wie Deutsche See, Nordsee, Frosta oder Frozen Fish International (hier werden die Fischstäbchen von Iglo hergestellt).

Der Fischereihafen Bremerhaven Ende der 1980er Jahre

In den 1980er Jahren prägte den Fischereihafen neben der fischverarbeitenden Industrie auch noch stark die Hochseefischerei. Hier wurde Fisch angelandet, gelöscht und in der Fischauktion verkauft. Vom Fischereihafen aus wurde der Fisch ins Binnenland per Zug oder Lastwagen weiterverladen und/oder in den ansässigen Betrieben weiterverarbeitet.

Ab Ende der 1980er Jahre fand im Fischereihafen Bremerhaven ein Strukturwandel statt. Die fisch- und lebensmittelverarbeitende Wirtschaft suchte neue Produktionsstätten, um den gestiegenen Anforderungen an Verarbeitungshygiene und Logistik gerecht zu werden. Es folgte eine Verlagerung vieler Betriebe vom heutigen Bereich des Schaufenster Fischereihafen in den heutigen Kernbereich des Fischereihafens, östlich des Fischereihafens II. Durch diese Verlagerung entstand Raum, um neue Konzepte für die Keimzelle des Fischereihafens zu entwickeln.

Ein Schaufenster für die Fischwirtschaft

Damals gründete sich im Hause des bremischen Wirtschaftssenators unter Beteiligung der FBG eine Arbeitsgruppe, um sich Gedanken über die Entwicklung des zu weiten Teilen brach liegenden Areals rund um die älteste noch existierende Packhalle im Fischereihafen, die Halle IV, zu machen. Es entwickelte sich die Idee, ein touristisches Zentrum einzurichten und den Gästen über ein Schaufenster Einblicke in die Fischverarbeitung zu ermöglichen. Aber diese Vorstellung fand nicht nur Zuspruch. Als dann noch die Ideen von einem Veranstaltungszentrum mit eigenem Theater kamen, gab es immer mehr Zweifler.

Ausschlaggebend für die Umsetzung war die Unterstützung der bereits ansässigen Räuchereien sowie gastronomischen Betriebe. Auch der Seitentrawler FMS GERA des Historischen Museum Bremerhaven war von Beginn an Bestandteil des Schaufenster Fischereihafen und prägt bis heute den Anblick des Fischereihafen I.

Die FBG sanierte liebevoll unter Erhaltung der ursprünglichen Bausubstanz die ehemalige Packhalle IV und übergab sie in einem feierlichen Akt 1992 an die 15 Betriebe der ersten Stunde.

Überdachter Gang mit Tischen und Stühlen

Urgemütlich und einladend – so sieht die Halle IV heute aus. Schaut unbedingt auch mal bei Fiedler Anno 1906 rein. Die urige Athmosphäre findet ihr auch im Laden wieder. © Heiko Sandelmann

Die ehemalige Fischversandhalle wird zum Veranstaltungszentrum Fischbahnhof

Auf der einen Seite die sanierte Halle IV, auf der anderen Seite nur eine große ungenutzte Schotterfläche. So sah es kurz nach der Eröffnung der Halle IV aus. Hier musste man sich dringend etwas überlegen. Deshalb begann man mit dem Bau des Veranstaltungszentrums der FBG, dem Forum Fischbahnhof. Für das Forum Fischbahnhof demontierte die FBG die Stahlkonstruktion der Versandhalle des ehemaligen Fischbahnhofs aus dem Jahr 1914 von seinem ursprünglichen Standort. Anschließend baute die FBG sie im Schaufenster Fischereihafen neu auf und führte sie einer neuen Nutzung zu.

Im Fischbahnhof beheimatet war dann lange das Atlanticum mit einem 150.000 Liter großen Aquarium. Mittlerweile findet ihr an der Stelle des Aquariums die Ausstellung Expedition Nordmeere. Hier könnt ihr euch auf einen Rundgang vom Hafen bis in die Tiefen des Atlantiks begeben. Außerdem findet ihr im Fischbahnhof bis heute das Seefischkochstudio und das TiF – Theater im Fischereihafen. Einen Besuch kann ich jedem wärmstens empfehlen!

Menschen sitzen auf Treoppenstufen vor einem langgezogenen Gebäude

Auf den Hafenterrassen genieße ich im Sommer gerne den Blick auf das Hafenbecken. Und gleich im Hintergrund seht ihr den Fischbahnhof. Dort könnt ihr noch bis Weihnachten selbst auf Zeitreise durch die Fotoausstellung zum 25-jährigen Jubiläum gehen. © Heiko Sandelmann

Zwischen Tradition und Moderne – das Schaufenster Fischereihafen heute

Neben dem Fisch und der Atmosphäre am Wasser gefällt mir vor allem der mittlerweile bestehende architektonische Mix aus Alt und Neu. Hier könnt ihr liebevoll sanierte Gebäude wie die Halle IV oder den Fischbahnhof entdecken, die im Kontrast stehen zu neuen modernen Bauten wie dem Seefischkochstudio oder dem Best Western Plus Hotel.

Empfehlen kann ich euch Frankes Räucherei. Franke ist eine Bremerhavener Institution und – wie auch die Räuchereien Fiedler und Dreistern – ein Urgestein im Fischereihafen. Weniger „hübsch gemacht“ als die Betriebe der Halle IV, aber genauso lecker, bekommt ihr hier Fisch direkt aus dem Rauch. Und das „Muss“ bei uns zu Hause ist in der Weihnachtszeit „Frankes Fischkiste“ mit unterschiedlichsten Räucherfischspezialitäten.

Zwei Schiffe im Hafen

© Heiko Sandelmann

Das Seefischkochstudio findet ihr seit mittlerweile drei Jahren in einem modernen Anbau am Fischbahnhof. Besonders an der „Schuppenfassade“ könnt ihr den spannenden Kontrast zwischen Tradition und Moderne im Schaufenster Fischereihafen sehen.

Blick auf ein Segelschiff und ein Hotel

Das BEST WESTERN PLUS Hotel steht auf Betonstelzen im Wasser und ragt über den Kai hinaus. © Heiko Sandelmann

Und am BEST WESTERN PLUS Hotel am Fischkai könnt ihr eine architektonische Höchstleistung beobachten. Denn das im Jahr 2013 eröffnete Hotel ragt über den Kai hinaus und steht auf Stelzen im Wasser. Hier könnt ihr einen beeindrucken Ein- und Ausblick auf den Hafen, die Weser, die Stadt Bremerhaven und den Container-Terminal genießen. Einen Besuch kann ich auch Bremerhavenern nur sehr ans Herz legen.

https://www.schaufenster-fischereihafen.de

https://www.fischbahnhof.eu/startseite/

Fischereihafen Meer
Schaufenster Fischereihafen, Am Schaufenster, Fischereihafen (Ortsteil), Fischereihafen (Stadtteil), Stadtbezirk Bremerhaven-Süd, Bremerhaven, Bremen, 27572, Deutschland Map