Nachtführung im Zoo am Meer

Eine exklusive Führung „bei Nacht“. Das will sich niemand entgehen lassen. Die Besucher tummeln sich vor der Kasse. Es ist kurz vor halb 6. Normalerweise herrscht um diese Zeit Stille im Zoo. Spätestens wenn es langsam dunkel wird, gehen die Besucher nach Hause und auch bei den Tieren kehrt Ruhe ein. Doch nicht so heute bei unserer Nachtführung!

Besucher vor der Zookasse
Ein seltener Anblick: Die Zookasse öffnet in der Nacht [© Zoo am Meer Bremerhaven]

Die Aufregung steigt…

Unsere Zoodirektorin, Frau Dr. Kück, begrüßt die Besucher persönlich. Eine gespannte Nervosität macht sich breit. Ausnahmsweise herrscht die nicht nur bei unseren Besuchern. „Ich war schon so viele Jahre dabei, aber bin trotzdem jedes Mal aufgeregt.“, verrät mir Nadine, die heute Abend zwei der insgesamt acht Besuchergruppen durch den Zoo führen wird. Eine gewöhnliche Führung am Tag bringt unsere erfahrenen Guides nicht mehr aus der Ruhe – aber nachts? Da ist eben alles anders. „Ich habe normalerweise spätestens um 16 oder 17 Uhr Feierabend. Den Zoo bei Nacht zu erleben, ist auch für mich etwas absolut Neues und Besonders.“, sagt Niklas, der ebenfalls zwei Gruppen führen wird und strahlt übers ganze Gesicht. Er freut sich wie ein kleiner Junge, dass er seine Erlebnisse gleich mit den Besuchern teilen darf.

das Zooschulteam
Auch bei unserem Zooschulteam herrscht Aufregung [© Zoo am Meer Bremerhaven]

Das dürfen wir nicht verschlafen…

Kennt ihr sie auch? Die Wintermüdigkeit? Passend zur kalten dunklen Jahreszeit dreht sich bei der Nachtführung alles um das Thema „Schlafen“. Warum schlafen Tiere überhaupt? Warum ist diese geistige und körperliche Erholung so wichtig und welche Strategien haben die Tiere, damit Schlafen für sie nicht zur Lebensgefahr wird? Was ist der Unterschied zwischen Winterschlaf und Winterruhe und gibt es den Winterschlaf auch im Zoo? Unsere Guides beantworten heute alle spannenden Fragen. Und das aufregendste an der Führung: Welche Tiere bekommen wir zu Gesicht?

Mit anderen Sinnen… Riechen

Als es mit unserer Nachtführung losgeht merke ich sehr schnell, dass das genaue Beobachten der Tiere heute im Hintergrund steht. In der Dunkelheit sind all meine Sinne geschärft. Unser erster Stopp ist bei den Eisbären. Oben auf der Besucherterrasse weht uns eine frische Brise entgegen. Ich nehme einen strengen Tiergeruch wahr und ich frage mich, ob der Geruch von den Eisbären oder den Schimpansen kommt. Ich sehe, dass auch Lloyd seine Schnauze in die Luft streckt und schnuppert. Er hat es sich am anderen Ende der Eisbärenanlage in einer geschützten Ecke im Holzeinstreu gemütlich gemacht. Es ist einer seiner Lieblingsschlafplätze. Lloyd hat uns entdeckt. Der Geruchssinn von Eisbären ist enorm beeindruckend: Eisbären können 2000 Mal besser riechen als der Mensch. Beute, andere Eisbären oder Menschen erschnuppern sie aus bis zu 30 km Entfernung.

Mit anderen Sinnen… Fühlen

Der kalte Nordseewind lässt mich frösteln. Ich ziehe den Reisverschluss meiner Winterjacke höher. Die Besucher erfühlen das Eisbärenfell, dass unsere Guides als Anschauungsmaterial mitgebracht haben. Wie kuschelig weich und dick es ist! Eine Luftkammer in jedem einzelnen Haar dient der zusätzlichen Isolation. Ich bin ein wenig neidisch. Lloyd wird heute Nacht sicherlich nicht frieren.

Ein besonders haptisches Erlebnis wartet auch bei der Schneeeule. Die Guides haben Federn verschiedener Vogelarten mitgebracht. Wie samtig weich die Feder der Schneeeule ist! Harte Vogelfedern machen Geräusche beim Fliegen. Dank der weichen und am Federrand leicht ausgefransten Federn können sich Eulen in der Nacht völlig lautlos ihrer Beute nähern. Das schneeweiße Gefieder der Schneeeule leuchtet im Schein unserer Taschenlampe. Schneeeulen sind im Gegensatz zu anderen Eulenarten auch bei Tageslicht auf Beutejagd. Da es in der Arktis im Sommer niemals dunkel wird, ist ihr weißes Gefieder die ideale Tarnung.

Schneeeule in der Nacht
Das weiße Gefieder der Schneeeule leuchtet in der Nacht [© Zoo am Meer Bremerhaven]

Mit anderen Sinnen… Hören

Mittlerweile ist es stockdunkel. Unsere Taschenlampen und der helle Mond am Himmel helfen uns den Weg durch den Zoo zu finden. Als wir zu den Robben kommen sehen wir – nichts! Dafür hören wir – alles! Lautstarkes Seelöwen-Gebrüll, platschendes Wasser, Wellen, die sich am Beckenrand brechen. Das Becken ist auf den ersten Blick pechschwarz und dunkel, erst bei näherem Hinsehen kann ich die Seelöwengruppe erkennen, die freudig aufgeregt im Wasser herumschwimmt. Gewöhnlich schlafen unsere Seelöwen nach Zooschluss unten im Stall. Sie mögen es warm und windgeschützt. Auch sie spüren, dass heute etwas Besonderes ansteht. An Schlafen ist da nicht zu denken.

eine Besuchergruppe in der Dunkelheit
Eine Besuchergruppe am Seelöwengehege [© Zoo am Meer Bremerhaven]

Im Schlafzimmer der Pumas

Auch die Pumas mögen es nachts warm, trocken und vor allem windgeschützt. Daher werden sie bei der täglich stattfindenden Feierabendrunde der Tierpfleger in den Stall geholt. Als besonderes Highlight der Nachtführung dürfen die Besuchergruppen heute einen exklusiven Blick in Aylas Schlafbox werfen. Ayla ist unsere älteste Pumadame. Sie hat Erfahrung mit großen Besuchergruppen und lässt sich von Ihnen nicht aus der Ruhe bringen. Interessiert mustern sich Katze und Mensch im Stall. Es ist so ruhig, dass man eine Stecknadel fallen hören kann. Ich frage mich, wer gerade beeindruckter ist. Ayla oder die Besucher? Tim, einer unserer auszubildenden Tierpfleger, durchbricht die Stille im Flüsterton. Er erklärt, warum Katzenaugen so beeindruckend in der Nacht leuchten und wie sich die dämmerungs- und nachtaktiven Pirschjäger zusätzlich mit ihren Tasthaaren in der Dunkelheit orientieren.

Puma in der Dunkelheit
Ein Puma in der Nacht [© Zoo am Meer Bremerhaven]

Schlafen unter Wasser – geht das?

Als wir zum Schluss der Führung ins Aquarium kommen muss ich blinzeln. Die Becken sind noch hell beleuchtet. Eine besonders stimmungsvolle Atmosphäre herrscht hier. Während sich normalerweise die Besucher vor den Becken drängen, ist das Nordsee-Aquarium jetzt völlig verlassen. Nur unsere Gruppe steht mitten im großen Raum und lauscht Johanna, die gerade erklärt, wie Fische schlafen. Wusstet ihr, dass manche tropischen Lippfische zum Schlafen einen Pyjama tragen? Dieser Schlafanzug besteht aus einer Sekret- und Schleimhülle, die den Fisch optisch und olfaktorisch in der Nacht tarnt.

Junge im Nordsee-Aquarium
Wie schlafen Fische im Nordsee-Aquarium? [© Zoo am Meer Bremerhaven]

Dunkel und Kalt? „Punsch“ Dich warm!

Nach der Führung wartet ein heißer und süßer Warmmacher auf unsere Besucher: Bei einem Glühwein oder Kinderpunsch lassen sie ihre einmaligen Erlebnisse, die besonderen Eindrücke und die vielen neuen tierischen Informationen Revue passieren.

Glühwein und Kinderpunsch als Warmmacher
Nadin schenkt Glühwein und Kinderpunsch aus [© Zoo am Meer Bremerhaven]
Landgang Zoo am Meer
Zoo am Meer Bremerhaven GmbH H.-H.-Meier-Straße 7 27568 Bremerhaven Map