Meerjunker (Coris julis) leben seit kurzem im Nordsee-Aquarium des Zoo am Meer in Bremerhaven. Nachdem ich euch in meinem letzten Blogbeitrag die Wiedehopfe vorgestellt habe, zieht es mich am heutigen kalten Novembertag ins beheizte Nordsee-Aquarium, um unsere neuen Meerjunker näher zu beobachten.
Meerjunker – so auffällig wie der Name
Wenn ihr unser Nordsee-Aquarium besucht, werdet ihr sie sofort entdecken: Die Meerjunker leben im Becken 3, das eine Hafenmole und ein Austernriff zeigt. Ihr werdet sie sofort erkennen, denn diese Fische sind genau so auffällig wie ihr Name. Ihr Name erinnert mich ein bisschen an „Meerjungfrau“. Und tatsächlich sind sie genau so schön. Der Begriff „Junker“ ist jedoch ein alter deutscher Begriff für einen „jungen Adligen“. Wenn ich mir unsere Meerjunker genauer ansehe, kann ich gut verstehen, warum diese „vornehm“ wirkenden Fische diesen Namen erhalten haben. Auf Englisch heißen sie „Mediterranean rainbowfish“, übersetzt „Mittelmeer Regenbogenfisch“. Auch dieser Name passt hervorragend, denn unsere Meerjunker sind ausgesprochen farbenprächtig.

Meerkjunker – die Fische mit dicker Lippe
Meerjunker gehören zur Familie der Lippfische. Tatsächlich haben sie ein endständiges Maul mit wulstigen Lippen. Die dicken Lippen und Vorderzähne sind wichtige Werkzeuge, um kleine Tiere aus Spalten zu ziehen oder Muscheln zu knacken. Wenn ich sie so betrachte, wirken ihre dicken Lippen fast so, als hätten sie sich für einen besonders feierlichen Anlass geschminkt – und manchmal sieht es sogar aus, als würden sie lächeln.
Lippfische und ihr erstaunlicher Geschlechterwandel
Wie andere Lippfische können unsere Meerjunker ihr Geschlecht wechseln. In der Regel beginnen die Fische ihr Leben als Weibchen und können später zum Männchen werden. Das erhöht ihre Fortpflanzungschancen. Erst wenn die Fische groß und stark genug sind, um ihr Revier zu verteidigen und sich erfolgreich zu verpaaren, lohnt sich die Geschlechtsumwandlung zum Männchen. Ganz schön praktisch, wie ich finde. Vier Tiere wohnen im Nordsee-Aquarium, davon zwei männliche Tiere. Diese erkennt ihr an ihrem etwas größeren Körper, dem blau/rot gestreiftem Rücken und weißen Bauch. Die Weibchen sind etwas kleiner und in der Farbgebung etwas braun-rötlicher.

Meerjunker lieben die Wärme
Genau wie ich mögen die Meerjunker es warm. So kommen sie vor allem im Mittelmeer und dem Atlantik vor. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von dort bis zu uns an die Nordsee. Tatsächlich findet man diese Fischart immer häufiger in der Nordsee. Beim Betrachten dieser fröhlich bunten Fische, werde ich fast ein wenig traurig, denn mir wird wieder einmal bewusst, wie sehr der Klimawandel die Meere verändert. Die Nordsee wird immer wärmer – Rekordtemperaturen sind längst keine Ausnahme mehr. Für Arten wie die Meerjunker bedeutet das: Sie können ihren Lebensraum weiter ausbreiten. Einerseits ist es faszinierend, einen so farbenprächtigen Bewohner in der Nordsee zu sehen. Doch gleichzeitig geraten andere Nordseefische, die an die Kälte angepasst sind, wie beispielsweise der Kabeljau oder Hering, zunehmend unter Konkurrenzdruck.

Für mich bleibt die Begegnung mit unseren Meerjunkern, den bunten „Regenbogenfischen“, ein besonderes Erlebnis. Sie erinnern mich daran, wie lebendig und vielfältig unsere Nordsee ist. Und gleichzeitig wird mir bewusst, in welch einer sich rasant verändernden Welt wir leben. Schreibt mir gerne, wie euer Besuch im Nordsee-Aquarium war und welche Eindrücke ihr hattet, als ihr unsere Meerjunker gesehen habt.
