Leuchttürme

Leuchttürme üben auf viele Menschen eine besondere Faszination aus. Geht es Euch auch so? Liegt es daran, dass sie in den Hafenstädten und Flüssen stehen und damit an Orten, die das Fernweh in uns erwecken? Oder daran, dass sie nicht nur der Schifffahrt nachts den Weg leuchten, sondern auch uns einen Lichtstrahl schenken? Oder einfach, weil jeder von ihnen unterschiedlich und damit außergewöhnlich ist? Wie selbstverständlich stehen verschiedene Leuchttürme bei uns in Bremerhaven. Grund genug, ihnen heute einmal unsere Aufmerksamkeit zu schenken.

Unterfeuer Bremerhaven

Mitten im Herzen unserer Stadt, in den Havenwelten, steht das Unterfeuer auf der Seebäderkaje. Gleich neben dem Zoo am Meer streckt sich der rot-weiß gestreifte Turm 26 Meter gen Himmel. In Bremerhaven nennen wir das Unterfeuer „Minarett“. Damit weiß jeder hier, welcher Turm gemeint ist. Das 1893 erbaute Leuchtfeuer wurde ursprünglich mit einem Petroleumglühlicht und 1925 durch ein Glühlampenlicht ersetzt. Das Minarett stand allerdings nicht immer an seinem heutigen Platz. Die an der Kaje liegenden Schiffe verdeckten das Leuchtfeuer. Daher wurde der Stahlturm 1992 um 56 Meter versetzt. Sein Antlitz ziert übrigens auch eine 70 Cent-Briefmarke.

Minarett in Bremerhaven (c) Tanja Albert
Minarett auf dem Willy-Brandt-Platz an der Seebäderkaje (c) Tanja Albert

Oberfeuer Bremerhaven

Wo es ein Unterfeuer gibt, muss es doch auch ein Oberfeuer geben, oder? Richtig! Das Gegenstück zum Minarett ist der Simon-Loschen-Leuchtturm. Er steht nur 208 Meter weiter nördlich neben der Schleuse Neuer Hafen. Der rote Backsteinbau ist eines der Wahrzeichen unserer Stadt. Das hat er auch verdient. Ich zumindest finde ihn wunderschön. Der Leuchtturm aus dem Jahr 1955 ist der älteste Festland-Leuchtturm an der Nordseeküste. Die am Ausleger angebrachten Kugeln und Seelaternen dienen als Anzeige für Sturmwarnungen. Der Deutschen Post gefällt unser Simon-Loschen-Leuchtturm übrigens auch sehr gut. So gut, dass sie 2007 eine 45 Cent-Sonderbriefmarke mit einer Abbildung davon heraus brachte.

Tanja vor dem Simon-Loschen-Leuchtturm (c) Lina Selimi
Ich vor dem Simon-Loschen-Leuchtturm (c) Lina Selimi

Was ist eine Richtfeuerlinie?

Ober- und Unterfeuer zusammen bilden eine sogenannte Richtfeuerlinie. Wenn der Kapitän und/oder der Lotse von Bremen kommend beim Blexer Bogen die Lichtzeichen beider Leuchttürme übereinanderstehend sieht, weiß er, dass er sich in der Mitte des Fahrwassers befindet.

Ober- und Unterfeuer Fischereihafen

Ein weiterer rot-weiß gestreifter Leuchtturm steht am Fischkai im Schaufenster Fischereihafen. Das Oberfeuer misst 45 Meter und wurde 1973 erbaut. Sein oberes Ende wird von zwei auf dem Kopf stehenden Kegel geziert. Dieser Umstand brachte ihm in Bremerhaven schnell den Spitznamen „Doppelkorn“ ein. Sein Pendant ist das Unterfeuer Geestemünde. Der siebzehn Meter hohe Turm steht auf dem Deich an der Weserpromenade nahe dem Reisemobil-Stellplatz Doppelschleuse. In ihm sind gleich zwei Feuerzeichen untergebracht. Das Unterfeuer Geestemünde und das Unterfeuer Fischereihafen. Sein Toppzeichen ist ebenfalls ein auf dem Kopf stehender Kegel. Sein Erscheinungsbild brachte ihm daher den Namen „Sektkelch“ ein.

Wegweisende Leuchtfeuer

Seid Ihr schon einmal nachts auf dem Wasser unterwegs gewesen? Eine an Land vertraute Gegend wirkt bei Tage auf dem Wasser völlig anders und fremd. Bei Dunkelheit allerdings ist selbst der Übergang vom Wasser zum Himmel oder Ufer oft nicht erkennbar. Umso wichtiger sind daher die Leuchtfeuer, die der Schifffahrt den Weg weisen. Und das natürlich am besten schon von Weitem und nicht erst, wenn eine Kollision kurz bevor steht. Die Lichtzeichen der hier beschriebenen Leuchttürme sind zwischen vier und achtzehn Seemeilen sichtbar. Eine Seemeile entspricht übrigens 1.852 Kilometern.

Quermarkenfeuer

Unterfeuer, Oberfeuer, Richtfeuerlinie… aber was bitte ist ein Quermarkenfeuer? Der Leuchtturm Brinkamahof aus dem Jahr 1911 diente zuerst als Leitfeuer für das Fahrwasser im Wurster Arm. Bei der Verlegung des Fahrwassers Wurster Arm zum Fedderwarder Arm wurde er 1922 zum Quermarkenfeuer. Hier zeigte er bis 1959 den Übergang von Bremerhavener in die Reedebaken-Richtfeuerlinie, und damit einen anderen Bereich, an. Bis 1928 war der Turm noch mit einem Leuchtturmwärter besetzt. Ein einsamer Job muss das gewesen sein.

Leuchtturm Brinkamahof (c) Tanja Albert
Leuchtturm Brinkamahof (c) Tanja Albert
Tanja vor dem Leuchtturm Brinkama Hof (c) Lina Selimi
Vor dem Leuchtturm Brinkama Hof (c) Lina Selimi

Auf zu neuen Aufgaben

Ab 1959 wurde er zum Unterfeuer für die Richtfeuerlinie Weddewarden (nördlichster Stadtteil Bremerhavens). Zur Container-Terminal-Erweiterung wurde das Feuer gelöscht. Am 19. August 1980 brachte der Schwimmkran „Thor“ den knuffigen Leuchtturm zur Marina Nordsee-Yachting im Bremerhavener Fischereihafen. Schnell wurde er dort zum Wahrzeichen und zur Vereinskneipe „Sailor’s Pub„, der kleinsten Kneipe Bremerhavens.

Noch mehr Feuer…

Zu all den oben beschriebenen Feuern gesellen sich nun auch noch die Back- und Steuerbordfeuer. Die beiden Leuchttürme stehen an der Einfahrt zu unserer Geestemündung. Das Molenfeuer, der hübsche rotbraune Ziegelturm, ist das Backbordfeuer. Er steht am Ende der Nordmole. Die starke Strömung der Weser macht die Einfahrt zur Geeste zu einer kniffeligen Aufgabe. Oft genug wurde die Mole deshalb schon von hereinkommenden Schiffen gerammt. Seit 2001 steht der 1914 in Betrieb gegangene Turm unter Denkmalschutz.

Tanja vor der Skyline Bremerhaven (c) Lina Selimi
Blick auf die Skyline Bremerhavens mit dem Leuchtturm Nordmole (c) Lina Selimi

Rot und grün

Das Gegenstück zum roten Ziegelbau ist das grüne Steuerbordfeuer. Allerdings ist der grüne Stahlgittermast wesentlich unauffälliger als der rote Ziegelbau. Sein Toppzeichen ist eine runde Eisenlaterne, die von einer Galerie umgeben ist. Seit 1925 hat das vierzehn Meter hohe Leuchtfeuer auf der Südmole seinen Platz. Die Südmole ist übrigens auch ein beliebter Treffpunkt für Verliebte. Ein romantischer Ort, um Sonnenuntergänge zu beobachten.

Leuchtturm an der Südmole Bremerhaven (c) Tanja Albert
Leuchtturm an der Südmole Bremerhaven (c) Tanja Albert

Nahe der Doppelschleuse

Zusammen mit dem Unterfeuer Geestemünde-Fischereihafen weist das Oberfeuer Fischereihafen den Weser aufwärts fahrenden Schiffen den Weg nach Bremerhaven. Zusammen mit dem Oberfeuer Geestemünde finden die Schiffe den Weg durch den Blexer Bogen. Das Oberfeuer wurde 1973 in Betrieb genommen. Das Toppzeichen des 25 Meter hohen Turms ist ebenfalls ein auf dem Kopf stehender Kegel.

Leuchtturm, AWI und Klappbrücke (c) Tanja Albert
Leuchtturm beim AWI Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven (c) Tanja Albert

Läuten und leuchten

Nur fünfzehn Meter hoch ist der runde Ziegelturm mit seiner grünen Laterne. Das Molenfeuer, von den Bremerhavenern liebevoll „Pingelturm“ genannt, steht am an der Kaiserschleuse. Sein Spitzname leitet sich aus dem Plattdeutschen ab, wo pingeln für klingeln bzw. läuten steht. Die Nebelglocke ist an einem Ausleger am Turm angebracht. Von 1900 bis 2010 war er im Einsatz und ist heute ein liebgewonnenes Denkmal.

Pingelturm mit Blick auf die Weser (c) Tanja Albert
Pingelturm Bremerhaven (c) Tanja Albert

Folge dem Feuer

Ist das Feuer nun auch in Euch erwacht? Wenn Ihr Lust habt, schnappt Euch doch ein Fahrrad (oder mietet eins in unseren Tourist-Infos) und radelt von Leuchtturm zu Leuchtturm durch unsere schöne Hafenstadt. Ich wünsche Euch viel Spaß dabei!