Ich sehe was, was du nicht siehst – InstaWalk

Elf Leute – ein Ziel: Das ultimative Motiv in einem perfekten Foto festzuhalten. Und das an einem Ort, der der Öffentlichkeit ansonsten nicht zugänglich ist. Ausgerüstet mit Kamera und Handy begeben sich am vergangenen Mittwoch ambitionierte Instagrammer im Stadttheater Bremerhaven auf die Jagd nach dem besten Foto.

Tolle Details beim InstaWalk Stadttheater (c) Tanja Albert

Sarah, Petzi, Marco und Hjördis bringen sich in Position beim InstaWalk Stadttheater (c) Tanja Albert

Der etwas andere Blickwinkel

Theaterbesucher richten ihre Blicke auf Fotos und Plakate. Nicht aber die Instagrammer. Ständig bleiben sie abrupt stehen, richten sich hoch auf, um Lampen und Leuchter an der Decke zu fotografieren. Oder sie knien und machen sich ganz klein, um ein Motiv aus bodennaher Perspektive aufzunehmen. Kein Winkel bleibt ihnen verborgen. Keine Tür, deren Klinke nicht gedrückt wird, um zu sehen, ob sie sich öffnen lässt und was sich dort hinter verbirgt.

Juliet ist voller Vorfreude:

Es ist toll, dort zu fotografieren, wo der Zugang ansonsten verwehrt ist.

Zahlen und Fakten – Fehlanzeige

Leonie, die taffe Mitarbeiterin des Stadttheaters Bremerhaven, betreut uns. Sie weiß, was Instagrammer wollen und ist deshalb nicht beleidigt, dass kaum jemand zuhört, als sie uns etwas über das Theater erzählt. Dabei hat das 1911 erbaute Haus eine spannende Vergangenheit und Gegenwart. Im Krieg zerstört, blieb nur die Außenfassade des Theaters erhalten. Wieder aufgebaut, hat es sich bis heute einen festen Platz im Herzen der Besucher erobert. Kein Wunder, denn hier wird für jeden Geschmack etwas geboten. Auf dem Programm stehen neben Schauspiel auch Oper, Operetten, Musicals, Konzerte, Kinder-/Jugendtheater und das Junge Theater sowie die Niederdeutsche Bühne mit plattdeutschen Stücken.

Der eiserne Vorgang im Stadttheater Bremerhaven (c) Tanja Albert

Blick auf den eisernen Vorhang beim InstaWalk im Stadttheater Bremerhaven (c) Tanja Albert

Der eiserne Vorhang

Wir werfen einen Blick vom Balkon des Zuschauerraums auf den eisernen Vorhang, bevor es hinter die Kulissen geht. Instagrammer nutzen all ihre Sinne auf der Suche nach dem besten Motiv. Ständig angelockt von Lichtreflexen, verborgenen Ecken, den Blick auf den Boden geheftet oder gen Decke gerichtet, Geräuschen und Gerüchen. Daher sind alle hellwach, als wir im Backstagebereich durch Türen und Gänge gehen und auf einmal einen anderen Geruch in der Nase haben. Holz? Richtig! Wir sind auf dem Weg in die Tischlerei. Imposant! Allein die Türen sind hier sieben Meter hoch. Aber die Instagrammer schwärmen gleich aus und interessieren sich nur für die Kleinigkeiten. Dinge, die Mitarbeiter, die hier arbeiten, gar nicht mehr wahrnehmen oder übersehen. Dabei werden die kleinsten Dinge immer ins perfekte Licht gerückt und gelangen so zu ungeahnter Schönheit oder Perfektion.

Hjördis setzt einen Kronleuchter ins rechte Licht (c) Tanja Albert

Hjördis setzt beim InstaWalk Stadttheater einen Kronleuchter ins rechte Licht (c) Tanja Albert

Das Detail zählt

Es mag etwas irritierend wirken, wenn die gerade noch eng zusammen durch endlose Gänge und hohe Treppenhäuser gehende Gruppe, einen großen, neuen Raum betritt. Sofort teilen sie sich und wuseln durch die Gegend. Vergessen sind die andern Instagrammer für den Moment. Zu groß ist die Spannung und Vorfreude auf das nächste Foto. Dabei zählen nicht große Räume oder imposante Objekte, sondern die Dinge, die am Rande stehen und die die eine oder andere Besonderheit aufweisen. Das kann eine abgebrochene Ecke sein, eine Reflexion auf einer glatten Oberfläche, ein Blickwinkel aus einer Perspektive, der das Motiv anders wirken lässt… der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Die Mitstreiter werden erst wieder interessant, wenn die Gier nach dem einzigartigen Foto befriedigt ist, die Fotos im Kasten sind und eine Person als Beiwerk zu einem Foto benötigt wird.

Katja, die Instagrammerin, mit Manfred, der Puppe beim InstaWalk Stadttheater (c) Tanja Albert

Katja wird selbst zum Fotomotiv neben Manfred, der Puppe, beim InstaWalk Stadttheater (c) Tanja Albert

Die Kamera stets im Anschlag

Solch eine Gruppe zu betreuen, grenzt an eine Mammutaufgabe. Die Gruppe zusammen zu halten, damit wir uns nicht in den endlosen Gängen und in einem der neun Treppenhäuser verirren, ist schwieriger als einen Sack Flöhe zu hüten. Ständig eilen einige voraus, um die ersten zu sein und einen unverstellten Blick auf das begehrte Motiv zu haben. Andere hängen gnadenlos hinterher, weil sie im letzten Moment doch noch eine winzige Besonderheit entdeckt haben, die es bestmöglichst in den Kasten zu bekommen gilt. In der Schlosserei eröffnen sich uns ganz neue Blickwinkel. Hier stehen neben den tollsten Objekten und Szenenwänden auch Treppen. Klar, dass diese sofort von Olaf geentert werden.

Olaf liebt den Blick von oben:

Der Blick von oben lässt Orte und Motive ganz anders erscheinen

Olaf entert ein Treppe in der Schlosserei beim InstaWalk Stadttheater (c) Tanja Albert

Olaf erklimmt beim InstaWalk Stadttheater eine Treppe in der Schlosserei und Petzi fotografiert am Fuße der Treppe (c) Tanja Albert

Neueste Techniken

Die Techniken sind heutzutage schnelllebig. Ständig gibt es neue, noch bessere, noch weiter entwickelte Geräte. Was heute noch hochaktuell und hip ist, ist morgen veraltet und kalter Kaffee. So erstaunt es nicht, als Olaf im riesigen Bühnenmalersaal eine Minidrohne aufsteigen lässt. Die Kamera schwebt mit leisem Surren hoch über unseren Köpfen. So kann er ganz andere Fotos schießen als wir, die wir mit ausgestreckten Armen lediglich eine Höhe von etwa zwei Metern erzielen. Alle vergessen für einen Moment die eigenen Aufnahme und schauen fasziniert auf die kleine, schwebende Kamera. Ich bin mir ganz sicher, dass die eine oder der andere gleich Morgen in den nächsten Elektrofachhandel stiefelt, um die eigenen Ausrüstung nachzurüsten.

Olaf startet seine Minidrohne beim InstaWalk Stadttheater (c) Tanja Albert

Olaf mit seiner Minidrohne beim InstaWalk Stadttheater (c) Tanja Albert

Individualität und trotzdem Zusammenarbeit

Bei all dieser individuellen Kreativität schweißt die Faszination InstaWalk die Gruppe doch zusammen. Obwohl sie sich untereinander nicht kennen, verbindet sie alle das gleiche Hobby. Auf der einen Seite sind alle Einzelgänger bei einem InstaWalk. Auf der anderen Seite aber sind sie sehr schnell vertraut miteinander. Es wird gefachsimpelt, Erfahrungen werden ausgetauscht und der eine oder andere Tipp weitergegeben.

Katja und Petzi in der Kleiderkammer im Stadttheater Bremerhaven (c) Tanja Albert

Petzi und Katja beim Fachsimpeln im Kleiderfundus beim InstaWalk Stadttheater (c) Tanja Albert

Tschüss und bis zum nächsten Mal

Auch die tollsten InstaWalks sind einmal zu Ende. Auch heute, beim 12. InstaWalk, vergingen zwei Stunden wie im Flug. Wir sagen „danke schön“ ans Stadttheater für die Einblicke hinter die Kulissen, die anderen verborgen bleiben. Und vielleicht „bis bald“ beim nächsten InstaWalk.

Lob eines Instagrammers:

Eure InstaWalks sind professionell vorbereitet. Die Teilnehmerausweise und Hashtags der Instagrammer, um sich zu verlinken – das ist klasse!

Katja, Mailin, Alexander, Juliet, Hjördis, Sarah, Olaf, Hedi, Petzi, Marco und Tanja beim InstaWalk Stadttheater (c) Tanja Albert

Katja, Mailin, Alexander, Juliet, Hjördis, Sarah, Olaf, Hedi, Petzi, Marco und Tanja beim InstaWalk Stadttheater (c) Tanja Albert

Lust, selbst an einem InstaWalk teilzunehmen? Der nächste InstaWalk „Grün unterwegs“ führt uns am 30. März hinter die Hotel-Kulissen und gibt Einblicke in die Nachhaltigkeit. Richtet eure Bewerbung mit Vor- und Nachnamen sowie Usernamen auf Instagram und der Handynummer bis zum 25. März an: instawalk@erlebnis-bremerhaven.de.

Erlebnis Bremerhaven Leben
Theaterkasse Vorverkauf, Theodor-Heuss-Platz, Mitte-Süd, Mitte, Stadtbezirk Bremerhaven-Nord, Bremerhaven, Bremen, 27568, Deutschland Map