Herzlich willkommen im Seamen’s Club Bremerhaven

Über alle Weltmeere fahren. Fremde Länder kennenlernen. Faszinierende Eislandschaften und tropische Regenwaldregionen sehen. Verschiedenen Sprachen lauschen. Exotische Speisen und Getränke probieren. Und für all das auch noch bezahlt werden. Klasse, oder? Aber ist das wirklich so? Stellt Euch vor, Ihr seid ständig unterwegs. Nirgendwo richtig zu Hause. Getrennt von Familie und Freunden. So geht es tausenden von Seeleuten weltweit. Immer unterwegs, überall fremd und auf Durchreise. Wie schön ist es dann, wenn es einen Ort gibt, an dem alle gleich sind und herzlich willkommen geheißen werden. So und nicht anders geschieht das Tag für Tag im International Seamen’s Club Bremerhaven der Seemannsmission.

Seamen’s Club Welcome

Ich passiere den Zoll, überquere unsere moderne Kaiserschleuse, lasse das Kreuzfahrt-Terminal „links liegen“ und erblicke den Container-Aussichtsturm. Dahinter biege ich ein und stehe vor dem Seamen’s Club Welcome. Gleich nach dem Eintreten begrüßt mich Thomas Reinhold mit einem freudlichen Lächeln. Doch vorher tappt mir ein großes Fellknäuel entgegen. Sparky, der Hund von Thomas Kollegin Antje Zeller. Thomas und Antje sind hier Diakone. Das Team, das an 365 Tagen im Jahr tätig ist, wird durch eine Halbtagskraft, zwei FSJ’lern (Freiwilliges soziales Jahr) und einem Zivildienstleistenden unterstützt. Das ist nicht viel für einen Zweischichtdienst an sieben Tagen pro Woche.

Runde Sitzecke im Seamen's Club Welcome (c) Tanja Albert
Die Loungebereich lädt zum Chillen ein (c) Tanja Albert

Seamen’s Club: Gemeinsam ist vieles möglich

Bereits seit 1978 begrüßt die Seemannsmission Seeleute aus aller Welt in Bremerhaven. Damals hieß der Treffpunkt noch „Gute Stube“ und war im Gatehouse II in der vierten Etage untergebracht. Die Nachfrage war groß. Schnell wurden die drei Räume zu klein. Der moderne Neubau Seamen’s Club Welcome entstand 2002 und ist für alle gut erreichbar. Möglich war das mit Hilfe von Fördermitteln des ITF Seafarers‘ Trust. Das ist ein globaler Verband von Transportarbeitergemeinschaften. Und Bremen Ports, die sich um die Belange der Häfen kümmern, stellte das Grundstück zu attraktiven Bedingungen zur Verfügung.

Ich bin für Dich da…

…das ist die Devise des Teams vom Seamen’s Club Welcome. Der Club ist sehr beliebt. 2015 wird er als der beste der Welt ausgezeichnet. So etwas spricht sich schnell bei den Seeleuten rum. Wer trotzdem noch nichts davon gehört hat, der erhält die Informationen vom Agenten des Schiffs oder vom Besuchsdienst der Seemannsmission mittels Flyer an Bord. Je nachdem, wo die Schiffe ihren Liegeplatz haben, kommen die Besatzungsmitglieder zu Fuß oder bei weiteren Wegen mit einem Shuttleservice zum Club und später wieder zurück an Bord. Im Club werden sie mit einem herzlichen „welcome“ begrüßt. Hier wird in der Regel die internationale Bordsprache Englisch gesprochen. Sollte das einmal nicht ausreichen, wird mit Händen und Füßen „geredet“.

Gartenhäuschen mit Rasen und blühnenden Blumen (c) Tanja Albert
Holzhäuschen im Garten des Seemannsclub Welcome (c) Tanja Albert

Grün statt blau im Seamen’s Club Welcome

Was wir uns oft gar nicht bewusst machen ist, dass die Seeleute von Bord Tag für Tag das Gleiche sehen und fühlen. Stahl, Wasser, eine kleine Kabine, die gleichen Kollegen. Im Seamen’s Club Welcome genießen sie daher das genaue Gegenteil. Offene Räume, große Fenster, Platz, Möbel und Deko in verschiedenen Farben, Rückzugsorte und… ganz wichtig, Rasen und Blumen. Das, was für uns so selbstverständlich ist, nehmen wir oft gar nicht mehr wahr oder schätzen es nicht genügend. Und wie immer, wenn man etwas nicht ständig zur Verfügung hat, wird es zu einem besonderen Gut. Könnt Ihr Euch vorstellen, was für ein schönes Gefühl es für die Seeleute ist, nach Wochen und Monaten auf See, hierher zu kommen und barfuß über den Rasen zu spazieren? Oder auf Besatzungsmitglieder anderer Schiffe zu treffen und sich mit ihnen gemeinsam bei einem Fußballspiel auszutoben?

Spielfeld mit Verladekränen im Hintergrund (c) Tanja Albert
Basket- und Fußballfeld im Seamen’s Club Welcome (c) Tanja Albert

Ich höre Dir zu

Stellt Euch vor, Ihr schippert monatelang über die Weltmeere. Und obwohl Ihr auf einem riesigen Schiff unterwegs seid, sind nur wenige Kollegen mit an Bord. Verständlich, dass man sich da nach anderen Gesprächspartnern und neuem Input sehnt. Im Seamen’s Club Welcome findet sich immer ein Gesprächspartner. Sei es, um über Alltägliches zu plaudern oder aber auch, um akute Probleme zu besprechen. Die Crew hier ist ehrlich an seinen Gegenübern interessiert. Dabei kann es ausgelassen und lustig zugehen oder auch einfühlsam und konzentriert. Für Probleme, die nicht gelöst werden können, wissen die Mitarbeiter die richtigen Ansprechpartner und helfen vermittelnd.

Zwei Billiardtische, rot bespannt (c) Tanja Albert
Zwei Billiardtische laden zum Spielen ein (c) Tanja Albert

Alle Menschen sind gleich im Seamen’s Club

Nach diesem Motto steht die Kapelle des Seamen’s Club Welcome jedem offen. Bei der Gestaltung des Raums wurde darauf geachtet, ihn nicht mit christlichen Symbolen zu überfrachten. Das ermöglicht es auch anderen Glaubensrichtungen, hier zur Andacht einzukehren. Lediglich ein Heiligenbild ist zu sehen. Aber auch das spricht alle Seeleute an, denn es handelt sich um den Heiligen Nikolaus, den Schutzpatron der Seeleute. Das Wandrelief stammt von der Stader Künstlerin Barbara Übel. Es lässt viel Raum für eigene Interpretationen zu.

Mach mit!

Die Seemannsmission will nicht missionieren. Trotzdem möchte sie die Menschen in ihrem Glauben unterstützen. Statt Gottesdiensten, wie wir sie kennen, wird hier vielmehr zu „Mitmach“-Aktionen eingeladen. Antje und Thomas ziehen mich selbst ganz unbemerkt in solche eine „Aktion“ ein. Sie fragen mich, was ich in dem Wandrelief sehe. Ein kurzer Blick genügt und es sprudelt aus mir heraus. So geht es auch den Seeleuten, die hier einkehren. Und schon sind verschiedene Religionsangehörige im Gespräch. Auch Sorgen und Hoffnungen werden spielerisch aufgearbeitet. Beispielsweise werden hier Nöte aufgeschrieben und auf eine Holzscheibe gepinnt . Die schönen Gedanken und Hoffnungen zieren bunte Papierfahnen. Solche Aktionen bleiben viel länger im Gedächtnis und wirken noch nach, wenn die Seeleute schon längst wieder an Bord und auf See sind. Schön, oder?

Beschriebene Holzscheibe und bunte Zettel (c) Tanja Albert
Eine Mitmachaktion im Seamen’s Club Welcome (c) Tanja Albert

Der Kapitän hat das letzte Wort

Überwiegend verkehren hier Mannschaftsmitglieder. Aber ab und zu hat auch der eine oder andere Kapitän Zeit, im Club auszuspannen. Antje erzählt mir, dass einmal einer vier Flaschen Wein im Shop gekauft hat. Dann fragt er sie, ob er die denn wohl mit in den Hafen (Zollbereich), also auf das Terminal nehmen dürfe. „Klar“, antwortet Antje, „aber ich weiß nicht, was dein Kapitän dazu sagt.“ Verschmitzt lächelt er sie an, bevor er antwortet: „Kein Problem, ich BIN der Kapitän.“ Solche und andere lustige Begebenheiten passieren hier regelmäßig.

Alle Mann an Bord!

Thomas erzählt von einer weiteren Begebenheit, bei der einmal helle Aufregung herrschte. Ein großes Schiff sollte auslaufen. Es ist bekannt, dass gerade in der Schifffahrt das Motto „Time is money“ gilt. Verspätungen können dabei teuer werden. Obwohl auch im Seamen’s Club Welcome immer wieder der Aufruf für dieses Schiff einging, ließ sich ein Crewmitglied nicht stören. In aller Seelenruhe trank der Mann sein Getränk weiter. Thomas sprach ihn vorsichtig an. Die Antwort erklärt alles. „Keine Hektik! Die legen schon nicht ohne mich ab. Ich bin der Kapitän.“

Alle Jahre wieder

Auch wenn niemals gleichbleibender Alltag einkehrt, haben manche Dinge doch Tradition. Zu den beliebten Sommerfesten drängen sich hier durchaus 150 Seeleute am Grill und warten geduldig auf eine Bratwurst. Das Programm bietet für jeden etwas. Vom beliebten Karaokesingen über Tombola bis hin zum Reiten. Im Winter hingegen freuen sich die Seeleute aus aller Herren Länder über wärmende Mützen, Schals und Handschuhe. Leidenschaftliche Strickererinnen lassen dafür die Nadeln klappern und andere spenden gekaufte Schals und Mützen.

Engel gibt es überall

Antje und Thomas erzählen mir von der Mitmach-Aktion „Glaubst Du an Engel?“. Für uns durchaus vorstellbar. In manchen Teilen der Welt, sind Engel aber (fast) unbekannt. Nach einigem hin und her, was damit gemeint sei, antwortet ein chinesischer Seemann: „Ach ja, Engel sind blond und spielen Trompete.“ So also stellen sich (einige) Chinesen Engel vor. Dazu hat die Seamen’s Club-Crew eine Installation aufgestellt. Die Seeleute betreten einen mit Papierwänden abgehängten Flur. Hier können sie, wenn sie möchten, ihre Gedanken auf die Bahnen schreiben. Anschließend gelangen sie in einen Raum, in dem ein verhüllter Gegenstand steht, auf dem steht: „Der schönste Engel auf Erden.“ Der Besucher schiebt den Vorhang zur Seite und…. blickt in einen Spiegel. Schön, oder?

Antje, Hund Sparky und Thomas und im Hintergrund der Car Carrier Figaro (c) Tanja Albert
Eine Oase inmitten der Überseehäfen (c) Tanja Albert

Eine starke Gemeinschaft

Der Seamen’s Club Welcome stellt einiges auf die Beine. Das begeistert Seeleute rund um den Erdball. Und es spricht sich rum. Während im Eröffnungsjahr 2002 knapp 10.000 Seeleute den Weg hierher suchten, sind es im vergangenen Jahr 24.000 gewesen. Und auch wenn die Crew von Diakonen, Zivis, FSJ’lern und Ehrenamtlichen mit Feuereifer dabei sind, kommen sie manchmal an ihren Grenzen. Wenn Ihr also Lust habt, Euch ehrenamtlich zu engagieren, ein Ohr für Euer Gegenüber und Spaß habt, andere Menschen kennenzulernen, meldet Euch gern bei Antje und Thomas. Und solltet Ihr demnächst einem fremdländischen Seemann auf der Straße begegnen, lächelt doch einfach mal. Das ist die Sprache, die überall auf der Welt verstanden wird.

Seamen's Club Welcome Bremerhaven

An der Nordschleuse 1 27568 Bremerhaven Tel: +49 471 42444 E-mail: welcome@seemannsmission.org Link zu „Seamen’s Club Welcome Bremerhaven