Herr der Schleuse Neuer Hafen

Die Schleuse Neuer Hafen ist für Skipper das Tor zu den Havenwelten, unserer Stadtmitte. Direkt neben dem Wahrzeichen Simon-Loschen-Leuchtturm befindet sich die moderne Kammerschleuse. Und links daneben ragt der Schleusenwärterturm in den Himmel. Peter Burhorn ist Herr der Schleuse Neuer Hafen. Die feiert dieses Jahr 15-jähriges Bestehen. Ein zehnköpfiges Team kümmert sich darum, dass Freizeitkapitäne und Berufsschifffahrt vom Hafen hinaus auf die Weser gelangen oder anders rum. Ich durfte Peter auf dem Turm besuchen und ihm bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Blick in die Schleusenkammer Neuer Hafen (c) Tanja Albert
Zwei Boote werden geschleust (c) Tanja Albert

Schleuse Neuer Hafen damals

Ich stehe auf historischem Boden. Die erste Schleuse, die hier gebaut wurde, hatte noch keine Schleusentore. Schleusungen waren daher im vorletzten Jahrhundert nur bei gleichem Wasserstand in Weser und Hafen möglich. Fünf Schiffe der Flotte des Deutschen Bundes passierten unter Admiral Rudolph Brommy im November 1851 als erste Schiffe die neue Schleuse. Sie war seinerzeit die größte und modernste Europas. 1937 wurde die Schleuse dann zugeschüttet. Boote und Schiffe gelangten nun durch die Kaiserschleuse in den Neuen Hafen.

Schleuse Neuer Hafen heute

Von 2003 bis 2005 wurde an gleicher Stelle die moderne Kammerschleuse errichtet. Zusätzlich zu den drehbaren Viertelkreis-Sektortoren verfügt sie über ein Tor, das dem Hochwasserschutz dient. Die misst 50 beziehungsweise 62,5 Meter in der Länge und 14 Meter in der Breite. Etwa fünftausend Mal jährlich wird die Schleuse geöffnet. 2019 nehmen hier achttausend Sportschipper und dreitausend Berufsschiffe die Weg hinaus auf die Weser oder hinein in den Hafen.

Modell von der Schleuse Neuer Hafen (c) Tanja Albert
Modell von der Schleuse Neuer Hafen (c) Tanja Albert

Der lange Weg zum Schleusenwärter

Aber wie wird man nun eigentlich Schleusenwärter? Peter heuert 1955 als Schiffsjunge auf der „Deutschland„. Zu der Zeit ahnt er noch nicht, dass er einmal Schleusenwärter sein wird. Mit Grundkenntnissen über Seemannschaft, Tauwerk, Konservierungsarbeiten und vielem mehr, bewirbt er sich beim Norddeutschen Lloyd. An Bord eines Frachters wird er während des langen Törns von Seekrankheit gebeutelt. Aber es nützt nichts. Er beißt die Zähne zusammen und hält durch. Als Kadett wechselt er in Hamburg auf die „Pamir„. Da er am ersten Arbeitstag unwissentlich zu spät zum Dienst erscheint, darf er zur Strafe tief im Schiffsbauch Kohlen schaufeln. Eine schwere Arbeit. Und das auch noch mit seinen nigelnagelneuen Dienstklamotten. Ärgerlich!

Monitoranzeige der Schleuse Neuer Hafen (c) Tanja Albert
Auf dem Bildschirm lassen sich die Wasserstände der Weser, der Schleusenkammer und des Neuen Hafens genau ablesen (c) Tanja Albert

Von den Alten lernen

80 Kadetten verrichten auf der „Pamir“ ihren Dienst. Die älteren und erfahreneren haben ihre Koje an Backbord, die neuen an Steuerbord. Die Arbeit ist hart, das Wetter teilweise unerbittlich. Tipps und Kniffe sehen sich die jüngeren bei den alten Hasen ab. So rauchen diese zum Beispiel alle Pfeife. Warum? Die Pfeife mit beiden Händen umschlossen wärmt diese. Ein wahrer Luxus bei den kalten Temperaturen und dem schneidenden Wind.

Auf der Karriereleiter steil nach oben

Mit achtzehn Jahren macht Peter in Bremen sein Patent zum Steuermann auf großer Fahrt. Da der berufliche Aufstieg beim Norddeutschen Lloyd langsam vonstatten geht, wechselt er zur Argo Reederei. Hier erklimmt er die Karriereleiter schneller und wird dritter, zweiter und schließlich erster Offizier. Zehn Jahre lang führen ihn seine Reisen nach Finnland. Die Schiffe sind recht komfortabel. Nach Absprache ist es gestattet, die Familie mitzunehmen. Und so können ihn Ehefrau und Sohn oft auf den Reise begleiten. Weitere zehn Jahre Mittelmeerdienst folgen.

Vom Seemann zum „Landmann“

Die Seefahrt ist abwechslungsreich. Man lernt fremde Länder und Kontinente kennen. Aber sie macht auch einsam. Familie und Freunde bleiben an Land und führen ihr eigenes Leben. Grund genug, dass Peter 1974 die Seefahrt an den Nagel hängt. Im Januar 1975 tritt er seinen Dienst als Reederei-Inspektor bei Sealand in Bremerhaven an. Die Arbeit ist abwechslungsreich und gefällt ihm. 1997 geht er in den wohlverdienten Ruhestand.

Von Ruhestand keine Spur

Der „Ruhestand“ ist nichts für Peter. Er sucht sich neue Ziele. Bereits seit 1991 fährt er schon auf der „Ubena von Bremen„. Später wechselt er zum „BB39“, einem Bunkerboot. Auch mit der „Alexander von Humboldt II“ sticht er in See. Die Seeleute, auch wenn sie an Land Dienst verrichten, sind untereinander gut vernetzt. Und so „wirbt“ ihn ein guter Bekannter für den Dienst als Schleusenwärter auf der Schleuse Neuer Hafen. Die Grundvoraussetzung, um hier arbeiten zu können, hat er: ein Funkzeugnis. Englisch und Kenntnisse der Seefahrt sind von Vorteil. All das ist Peter seit Jahrzehnten vertraut.

Peter im Steuerstand des Schleusenturms Neuer Hafen (c) Tanja Albert
Eine korrekte Kameraposition ist wichtig, um die Situation in der Schleuse jederzeit im Blick zu haben (c) Tanja Albert

Schleuse Neuer Hafen: ein tolles Team

Zehn Kollegen sorgen von April bis Oktober dafür, dass Freizeitkapitäne und Berufsschifffahrt geschleust werden. Vom Schleusenturm hat Peter einen herrlichen Rundumblick auf die Weser, in die Schleuse und den Neuen Hafen. Häufig bedanken sich die Skipper beim Verlassen der Schleuse über Funk bei ihm und verabschieden sich. Prompt grüßt Peter zurück und wünscht eine gute Weiterfahrt oder einen schönen Aufenthalt.

Peter dokumentiert den Schleusenvorgang (c) Tanja Albert
Jeder Schleusenvorgang wird sofort und gewissenhaft dokumentiert (c) Tanja Albert

Eine Marina mitten in der City

Freizeitkapitäne fühlen sich wohl in Bremerhaven. Ein Vorteil ist, dass hier in der Saison täglich und tagsüber ständig geschleust wird. Dafür melden sich die Bootsführer auf dem UKW-Kanal 69 oder per Telefon unter 0471 9412840. Ein Schleusenvorgang dauert zwischen acht und 20 Minuten. Das ist davon abhängig, wie hoch der Unterschied des Wasserstands auf der Weser und im Neuen Hafen ist. Das können bis zu 3,4 Metern sein. Und zum anderen liegt die im jaich Marina nur wenige Meter entfernt von der Schleuse. Die moderne Anlage verfügt über alles, was Freizeitskipper benötigen. Das im jaich-Team heißt alle herzlich willkommen und hat den einen oder anderen Tipp für einen gelungenen, individuellen Aufenthalt parat.

Ein Segel- und ein Motorboot in der Kammer der Schleuse Neuer Hafen (c) Tanja Albert
Ein Segel- und ein Motorboot warten darauf, dass sie die Schleuse verlassen und in den Neuen Hafen einfahren können (c) Tanja Albert

Hand in Hand und viel Erfahrung

Peters Augen leuchten als er mir von seiner Tätigkeit hier auf dem Schleusenturm erzählt. Ein Foto mit der gesamten Schleusen-Crew hängt an der Wand und die Geburtstagsliste darunter. Die Kollegen schätzen einander und sind füreinander da. Hier herrscht ein gutes Arbeitsklima. Und das bekommen auch die Skipper zu spüren, wenn sie mit einem freundlichen „Moin“ über Funk begrüßt werden. Und auch die Menschen, die bei Schleusenvorgängen den Torbereich verlassen müssen, werden freundlich dazu aufgefordert. Dann schallt es auf Plattdeutsch durch die Lautsprecher: „All fix runter von de Brück“.

Peter auf der Außengalerie des Schleusenturms Neuer Hafen (c) Tanja Albert
Vom Balkon des Schleusenturms hat Peter den Überblick von der Weser, über die Schleuse bis in den Neuen Hafen (c) Tanja Albert

Boote ganz nah

Wenn Ihr auch einmal hautnah sehen wollt, wie so eine Schleusung vonstatten geht, seid Ihr hier genau richtig. Von den Torbrücken und den Kajen aus könnt Ihr alles genau verfolgen. Schaut doch mal vorbei!