Winterdienst im Spätsommer? Als Mitarbeiterin in Klimahaus kümmere ich mich heute in der Antarktis darum, den Gang vom Eis zu befreien. Doch das ist nur eine von vielen Aufgaben als Scout. Im Blog nehme ich euch mit und zeige, welche abwechslungsreichen Tätigkeiten noch dazugehören.

Heute begleite ich die Scouts aus dem Besucherservice im Klimahaus Bremerhaven. Das sind die Kolleg:innen, die dafür sorgen, dass für unsere Besucher:innen alles reibungslos läuft. Von der Koordination im Büro bis zur Hilfe in der Ausstellung bin ich unterwegs und schaue ihnen über die Schulter. Frage nach: Was macht ihren Alltag spannend, welche Aufgaben und Herausforderungen stecken dahinter?
Start im Büro mit Naemi
Mein erster Stopp ist bei Naemi. Sie arbeitet seit zweieinhalb Jahren im Klimahaus und ist seit gut einem Jahr in der Ausstellungskoordination tätig. Wir treffen uns im Büro, dort plant sie den Tagesablauf und sorgt dafür, dass alles rundläuft.
„Ich kontrolliere als Erstes den Tagesplan“, erklärt sie. „Jede Position muss besetzt sein, die Abwechslung passen und niemand darf seine Pause verpassen.“ Im Klimahaus gibt es rund zehn feste Positionen, die regelmäßig gewechselt werden. Zu besetzen ist der Ausstellungsbereich „Reise“, der Eingang zu WETTEREXTREME, die aktuelle Sonderausstellung KLIMA_X und das „World Future Lab“. Zusätzlich sind Scouts als Springer unterwegs, die flexibel helfen, wo es gerade nötig ist. So finden unsere Gäste überall jemanden, den sie ansprechen können.
Außerdem aktualisiert Naemi das Tagesprogramm, bereitet das Briefing für das Team vor und prüft, ob in der Ausstellung technisch alles funktioniert.

Nach dem Briefing verteilen sich die Ausstellungsmitarbeiter:innen auf ihre Positionen und prüfen, ob alles bereit ist für den Start. Es ist kurz vor zehn Uhr. Die Eingangstüren des Klimahauses öffnen sich gleich, die ersten Besucher:innen warten schon. Ich habe das Gefühl, es ist ein bisschen wie vor einer Premiere.
Unterwegs mit Scout Alexa durch die Ausstellung
Die ersten Gäste sind da und ich laufe mit Alexa als Springerin durch die Ausstellung. Unsere Aufgabe ist es, aufmerksam zu bleiben und auf Details zu achten: Steht alles richtig? Liegt etwas am Boden? Brauchen die Besucher:innen Hilfe oder haben sie eine Frage? Wir sind flexibel unterwegs und bereit, auch die Angelegenheiten zu übernehmen, die die Kolleg:innen an ihren Positionen nicht abdecken können.
Dabei erzählt mir Alexa, wie vielfältig die Aufgaben der Scouts sind. Neben den festen Positionen, die alle dreißig Minuten wechseln, begleiten sie auch Bildungsprogramme und die Wetterextreme, das ist Alexas Lieblingsort im Klimahaus. Außerdem unterstützen die Scouts das Ticketing Team an der Kasse oder an der Garderobe.

Begegnung mit Klaus in der Flusslandschaft
Nach der Mittagspause treffe ich Klaus, der regelmäßig Besucher:innen durch die Ausstellung führt und dabei große Freude empfindet. Er mag den intensiven Kontakt mit den Menschen und freut sich am meisten, wenn Teilnehmer:innen später wiederkommen, oft mit Familie oder Freunden. Für ihn ist das der schönste Beweis, dass seine Führung Begeisterung weckt. Klaus ist seit der Eröffnung 2009 Teil des Teams.

Klaus erzählt mir, dass ihm die „Ruhige Tour“ besonders am Herzen liegt. In gemütlichem Tempo geht er dabei gemeinsam mit den Teilnehmer:innen durch die Klimazonen. Diese Führung gibt ihm die Möglichkeit, intensiver über Klima und Wettergeschehen zu sprechen und mehr Zeit für Fragen zu haben. Auf halbem Weg gibt es eine Pause mit Kaffee und Kuchen, bei der die Gruppe ihre Eindrücke austauscht. Klaus beantwortet dann so viele Fragen, dass er oft nur den Kaffee trinkt und kaum zum Kuchenessen kommt.
Mit Beeke auf öffentlicher Führung
Je nachdem, wie viel im Klimahaus los ist und welches Programm am Tag ansteht, bieten die Kolleg:innen auch öffentliche Führungen an. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde begleite ich Beeke durch die Ausstellung „Reise“. Dabei erzählt sie kleine Details, die die Gäste auf den ersten Blick oft gar nicht wahrnehmen.
Zum Beispiel zeigt Beeke in der Schweiz die Original-Zaunpfähle, die das Reise Team 2004 in der Schweiz gesammelt hat. Diese bilden bis heute den achten Längengrad in der Reisestation „Schweiz“.
An jeder Station erklärt Beeke außerdem, welche Gegenstände das Reiseteam aus dem vorherigen Land mitgenommen und am nächsten Ort weitergegeben hat. So findet sich bei uns in Sardinien Gletscherwasser aus der Schweiz.

Auch nach drei Jahren im Klimahaus stelle ich fest: Die Führung lohnt sich, weil selbst ich viele neue Details durch Beekes Erzählungen erfahren habe. Die öffentliche Führung dauert etwa eine Stunde und umfasst ungefähr die Hälfte der Reise. Das ist vollkommen ausreichend, um spannende Informationen zu bekommen, und gleichzeitig bleibt genug Zeit, den achten Längengrad später auf eigene Faust weiter zu erkunden.
Das Ticketing-Team
Nicht nur die Scouts gehören zum Besucherservice, auch die Kolleg:innen im Ticketing sind ein wichtiger Teil des Teams. Sie sind der sogenannte „erste Kontakt“ für die Gäste. Ihre Arbeit ist anspruchsvoll: Einerseits verkaufen sie konzentriert Tickets und sammeln das entsprechende Geld ein. Andererseits geben sie gleichzeitig alle wichtigen Informationen im freundlichen Ton. Dazu gehört, welche Führungen es gibt, wann die Fahrten der WETTEREXTREME starten oder was wichtig ist, damit die Gäste die beste Erfahrung im Klimahaus haben. Zum Beispiel: „Nein, Sie brauchen keine Jacke in der Ausstellung, dort ist es warm, und Sie werden sich über die Abkühlung in der Antarktis freuen“, erklärt Basti einem Gast an der Kasse.

Die Scouts sind sehr gut darin geschult, wie sie mit fordernden Situationen umgehen, die Ruhe bewahren und schnell denken: “Wir haben keine Zeit zum Überlegen! Wir sollten schnell reagieren!“ sag Naemi. Genau solche Fähigkeiten lernen die Scouts im IHK-Bildungsprogramm Fachkraft für Besucherservice. Dort geht es zum Beispiel auch um das Anleiten großer Gruppen.
Auch ein Scout hat mal Feierabend
Heute habe ich gelernt, dass der Scout-Job im Besucherservice wirklich herausfordernd sein kann. Die Scouts verfügen über viel Fachwissen zum Klimawandel und kennen zahlreiche Fakten über das Klimahaus. Sie sind weit mehr als nur Wegweiser. Je nachdem, an welcher Station sie stehen, stellen Besucher:innen ganz unterschiedliche Fragen. Doch was glaubt ihr, was wollen die Besucher:innen am häufigsten wissen? „Wo geht es zur Toilette?“.
Ich gehe nun in den Feierabend, mein Kopf ist voller neuer Eindrücke und Informationen. Ich sehe die Ausstellung mit ganz anderen Augen und spüre, wie erschöpft ich bin: Mehr als 13.000 Schritte zeigen, wie bewegungsreich dieser Tag war. Und wie Klaus gesagt hat: Das Schönste an diesem Job ist vermutlich genau das: Jeder Tag ist anders.“
Dieser Text ist von Katitza Tiszay erstellt, die gerade eine Ausbildung zur Kauffrau für Tourismus- und Freizeit absolviert. Aktuell ist sie in der Presseabteilung.
