Screening Northern Lights – Das Deutsche Schifffahrtsmuseum leuchtet

Es ist kurz vor 17 Uhr an einem Dienstag Abend im Dezember. Gemeinsam mit einigen weiteren Interessierten stehe ich dick eingepackt mit Schal, Mütze und Handschuhen vor dem Bangert-Bau am Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM). Eine ältere Dame steht ganz aufgeregt neben mir, in der einen Hand eine kleine, alte Digitalkamera. „Ich war letzte Woche schon mal hier. Das ist wirklich beeindruckend!“, schwärmt sie mit glitzernden Augen.

Faszination für jedes Alter

Die Uhr springt auf 17 Uhr. Auf dem Spitzdach des Schifffahrtsmuseums flackern erste Bilder. „Mensch & Meer“ heißt es in großen Lettern auf dem Gebäude, bevor die erste Sequenz startet: die Animation einer blauen Flüssigkeit wabert dynamisch zu Meeresrauschen und Klängen über die adaptierte Leinwand und geht nahtlos über in die Bilder von wildem Wasser. Was in den kommenden 15 Minuten folgt ist eine beeindruckende Mischung aus dramatischen wie atemberaubenden Bildern zum Thema Schifffahrt, Polarforschung, Artenvielfalt und Klimawandel. Schiffe brechen auf zu neuen Horizonten, alte wie neue Navigationsinstrumente der Schifffahrt werden gezeigt und Polarlichter flackern zu den Strichzeichnungen der GRÖNLAND, Deutschlands erstem Polarforschungsschiff.

Screening Northern Lights auf dem Dach des Deutschen Schifffahrtsmuseums
Das Deutsche Schifffahrtsmuseum leuchtet. Die Medieninstallation „Screening Northern Lights“ strahlt auf dem Dach des Bangert-Baus. (© Hauke Dressler)

Während riesige Eisberge die fantastische Welt der Polarregion zeigen, knipst die Dame neben mir fleißig Fotos. Die Bilder will sie ihren Enkeln schicken, die nicht mehr in Bremerhaven wohnen. Ich schmunzle leicht über ihr Vorhaben und beobachte die Apnoe-Taucherin Anna von Boetticher, wie sie über das Dach des Deutschen Schifffahrtsmuseums schwimmt. Ohne Ausrüstung ist sie in der Arktis getaucht … faszinierend und bedrohlich zugleich.

Begleitprogramm zu neuer Sonderausstellung

Die Medieninstallation „Screening Northern Lights“, die Teil des Begleitprogramms zur Sonderausstellung „SEA CHANGES – Welt & Meer im Wandel“ ist, läuft seit 15. November 2019 täglich zwischen 17 und 22 Uhr im Außenbereich des Deutschen Schifffahrtsmuseums. Dank einer großzügigen Spende wurde die Installation nun um zwei Wochen verlängert und lockt noch bis zum 20. Januar 2020 Interessierte an.

Dank der Illumination erstrahlt die Fassade des Deutschen Schifffahrtsmuseums buchstäblich in neuem Licht und setzt den Neubau des Museums in Szene, so dass Bilder, Klänge und die markante Architektur miteinander verschmelzen. Zugleich bildet die Installation auch ein Schaufenster des Museums und spiegelt den Wandel des DSM und seine Ausrichtung auf Mensch und Meer in die Stadt hinein. Ich finde es faszinierend, wie die Projektionen am Dach sich gleichzeitig im Innenraum des Museums wiederfinden und das Gebäude quasi durchsichtig wird. Man kann durch die Fenster hindurch blicken und wird komplett eingenommen von den sich bewegenden Bildern und der Musik.

Die Ausstellung "Sea Changes – Welt und Meer im Wandel" im Deutschen Schifffahrtsmuseum
Auch von innen leuchtet das Deutsche Schifffahrtsmuseum mit der Ausstellung „Sea Changes – Welt & Meer im Wandel“ (© Hauke Dressler)

Blick von oben

Ein besonderer Blick bietet auch eine Fahrt auf den benachbarten Radarturm, der in den Wintermonaten normalerweise geschlossen hat. Für eine exklusive Führung, die Anfang Dezember am Deutschen Schifffahrtsmuseum stattfand, wurde der Turm geöffnet und knapp 70 Interessierte wagten sich in schwindelerregende Höhen. Der Ausflug mit Blick auf die Medieninstallation begeisterte die Teilnehmenden so sehr, dass nun für den 17. Januar eine Wiederholung geplant ist und ich schon jetzt wieder mit vielen Ahs und Ohs rechne.

Während man im Dezember auch noch einen wundervollen Blick auf den leuchtenden Weihnachtsmarkt hatte, erwarte ich nun neben den atemberaubenden Bildern auf dem Dach des Schifffahrtsmuseums einen tollen Blick auf die Lichter des Hafens. Denn nicht nur das Museum, auch Bremerhaven leuchtet in der Nacht ganz wundervoll. Über den wundervollen Blick vom Radarturm, der zum Wasser- und Schifffahrtsamt gehört, hat Tanja bereits letzte Woche beschrieben. Wer noch bei der Führung am kommenden Freitag dabei sein möchte, sollte schnell sein und sich bis Mittwoch anmelden.

Blick vom Radarturm auf die Medieninstallation "Screening Northern Lights"
Der Blick vom Radarturm auf die Medieninstallation „Screening Northern Lights“ (© Claudia Obermeyer)

Schlaglichter auf Klimawandel

Entwickelt wurde die Bewegtbild-Projektion von Kurator Helmut M. Bien (westermann kulturprojekte) und dem Medienkünstler Kurt Laurenz Theinert entwickelt. Sie soll Schlaglichter auf den Klima- und Meereswandel und seine Auswirkungen werfen. Besonders an den Sequenzen der Warming Stripes von Klimatologe Ed Hawkins bin ich mehrfach hängen geblieben. Was für mich anfangs wie das Störbild eines Fernsehers wirkte, entpuppte sich bei näherer Betrachtung als die dramatische Veränderung des Klimas.

Die Warming Stripes zeigen die Durchschnittstemperatur des Weltklimas seit 1850. Anfangs noch blau, sind die Streifen mittlerweile orange bis rot und sind bezeichnend für die Klimaerwärmung. Umso wichtiger finde ich auch die Kombination mit Bildern verschiedenster Polarforschungsreisen wie die von Alfred Wegener oder der POLARSTERN, die in wenig erforschte Welten aufbrechen und aufgebrochen sind, um das Klima zu erforschen. 

Warming Stripes von Ed Hawkin
Die Warming Stripes von Ed Hawkins als Projektion auf dem Deutschen Schifffahrtsmuseum. (© Hauke Dressler)

Deichspaziergang mit Mehrwert

Die 15 Minuten Bild und Sound der Medieninstallation „Screening Northern Lights“ vermitteln nicht nur Faszination und ein schönes Erlebnis. Die Illumination soll auch zu der Sichtbarkeit des wichtigen Themenfelds Klima- und Meereswandel beitragen und ich finde, das ist gelungen. Jedes Mal, wenn ich einen Deichspaziergang mache, bin ich aufs Neue fasziniert von den Eindrücken und bleibe einen kurzen Moment stehen. Gestern erst wurde ich gefragt, wie man zum Deutschen Schifffahrtsmuseum kommt und war total happy, auch aus weiter Entfernung sagen zu können: „Da, wo das Dach leuchtet.“ Und wer weiß, vielleicht strahlt das Museum dank der vielen Fotos, die regelmäßig gemacht werden, sogar bis zu den Enkeln der älteren Dame in weiter entfernten Städten.

Lichtprojektion einer alten Landkarte auf dem Deutschen Schifffahrtsmuseum
Auch Navigationsinstrumente, wie Land- und Seekarten strahlen auf dem Dach des Deutschen Schifffahrtsmuseum. (© Hauke Dressler)
Aktuelles
Die Sonderausstellung „SEA CHANGES – Welt und Meer im Wandel“ ist noch bis Ende März geöffnet. Die Medieninstallation „POLARWOCHEN – Das Museum leuchtet“ wurde bis zum 20. Januar 2020 verlängert. Ein Besuch im DSM lohnt sich!