Bremerhavener Weihnachtsmarkt ins gute Bild gesetzt

„Und dann gibt es ja immer noch das Panikquadrat“, schmunzelt Helmut Gross. Zwölf Augenpaare blicken ihn fragend an. Mit „Panikquadrat“ ist die Automatikeinstellung an der Kamera gemeint, löst Helmut seinen Satz auf und zumindest ich nicke erleichtert. Ja, die Einstellung kenne ich. Doch heute bin ich hier, um damit eben nicht zu fotografieren.

Zuhörer im Besprechungsraum

Aufmerksame Zuhörer beim Fotowalk Bremerhavener Weihnachtsmarkt (c) Dörte Behrmann

Wir sitzen an diesem Samstagabend zu zwölft im Besprechungsraum der Erlebnis Bremerhaven GmbH, um uns von Helmut in die Geheimnisse der Nachtfotografie einweisen zu lassen. Helmut stellt sich als Diplom-Ingenieur für Nachrichtentechnik vor, der schon seit mehr als 50 Jahren fotografiert. Sein erhebliches Wissen gibt er auch in Kursen weiter, in denen auch Foto-Software besprochen wird. In unserem heutigen Fotowalk steht aber nicht die Theorie, sondern die Praxis im Vordergrund.

Fotowalk zum Bremerhavener Weihnachtsmarkt

Fotograf auf Bremerhavener Weihnachtsmarkt

Große beleuchtete Christbaumkugeln im Werftbrunnen, Lichterketten über den Buden, eine farbig angestrahlte Kirche im Hintergrund – die Lichtverhältnisse sind herausfordernd für die Technik. (c) Dörte Behrmann

Unser Ziel ist der Bremerhavener Weihnachtsmarkt, der in diesem Jahr mit einer neuen Beleuchtung punktet. Rund 150.000 LED Lampen tauchen die Buden und Tannenbäume in warmes Licht und verströmen eine zugleich muckelige wie glänzende Atmosphäre. Die Besucher sind begeistert, die Stadt als Geldgeberin stolz und wir als Veranstalterin glücklich.
Das hat meinen Arbeitgeber auch auf die Idee eines Fotowalks gebracht, für den über unsere Social Media Kanäle rasend schnell Teilnehmer gefunden wurden. Und so sitzen wir jetzt hier, um uns erstmal von Helmut einweisen zu lassen.

Sternentor und Co schwierig zu fotografieren

Zwei Menschen vor Sternentor

Das Foto vom „Sternentor“ zeigt schön, welche Leistung die Kamera bringen muss: Dunkles aufhellen und Helles dunkler machen. Die richtige Kameraeinstellung hatte ich da wohl noch nicht gefunden. © Dörte Behrmann

„Bei der Nachtfotografie steht die Kamera vor der Herausforderung, einen großen Kontrast zwischen sehr hell und sehr dunkel managen zu müssen“, gibt uns Helmut zu bedenken und wieder nicken alle. Dann folgen Begriffe wie RAW und jpeg, Photoshop und Lightroom und die Kameramodi AV, TV und M – „die Königsklasse“ sagt Helmut – werden erklärt. „Es gibt vier wichtige Komponenten“, führt Helmut weiter aus, „Blende, Zeit, Fokussierung und ISO“. Jupp, das macht die Sache mit der Fotografie ja so herausfordernd, wenn denn das „Panikquadrat“ nicht eingesetzt werden soll. Genau das ist der Ehrgeiz jedes Fotografen, erfahre ich später, als ich mich mit einzelnen Teilnehmern unterhalte.

Es kommt nicht auf die Ausrüstung an

Fotografen

Helmut Gross kümmert sich beim Fotowalk um jede Frage, jede Einstellung. © Dörte Behrmann

Deren Begeisterung für das Fotografieren ist ziemlich gleich, doch die Ausrüstung variiert doch stark. Handys werden ebenso gezückt wie kleine Bridgekameras aber auch Fotoapparate mit richtig teuren Objektiven kommen zum Einsatz. Wow, Bremerhaven knipst wohl wirklich gern. Wenig überraschend, dass dann auch viele Stative geschultert wurden, als wir nach rund einer Stunde Theorie-Input losmarschierten. „Nur mit einem Motiv sind gescheite Bilder möglich“, lobt Helmut die Ausstattung der anderen und ich gucke etwas bedröpselt, denn das habe ich noch nicht. Aber meine Kamera hat einen Modus „Nachtaufnahme ohne Stativ“ und den setze ich ein. Passt auch!

Fotograf mit Mini-Stativ

Ein Stativ muss nicht groß sein, wie mir André Koch zeigt. Er bekam das Ministativ von einem anderen Fotowalk-Teilnehmer spontan geliehen. Damit werden seine Aufnahmen an diesem Abend optimal. © Dörte Behrmann

Viel gelernt vom Profi

Mit zwei weiteren Lektionen im Kopf gehen wir auf den Weihnachtsmarkt, der in der Dunkelheit richtig schön funkelt. „Vordergrund macht Bild gesund“, hatte Helmut uns mit auf den Weg gegeben und anhand eigener Aufnahmen diesen Leitsatz auch gleich unter Beweis gestellt. Mitgenommen habe ich auch die Idee vom „goldenen Schnitt“, die Fotos spannender macht. Nicht in den Mittelpunkt sollen die Motive gerückt werden, sondern eher auf einer der gedachten Linien, die das Bild im Sucher dritteln.

Auf dem Weihnachtsmarkt werden Sternentor, beleuchteter Werftbrunnen und begehbare Christbaumkugel dann auf das Schönste in Szene gesetzt. Die Teilnehmer sind eifrig dabei, lassen sich von Helmut unterstützen und bekommen viel Fachwissen von ihm mit auf den Weg. Ob es gefallen hat? Das sagt euch unser Video, dass meine Kolleginnen Mailin und Vanessa gedreht und geschnitten haben.