90 Jahre Zoo am Meer – Zoogeschichte(n) zum Geburtstag

Der Zoo am Meer feiert Geburtstag! Am 24. Juni 2018 wird er stolze 90 Jahre alt. Die Vorbereitungen fürs Fest laufen schon das ganze Jahr und erreichen so langsam ihren Höhepunkt. Je näher der Termin rückt, desto aufgeregter werde ich. Ich bin voller Vorfreude, denn am Geburtstag erwartet die Besucher ein buntes Programm mit sehr vielen Highlights. Ein Highlight ist definitiv unsere Sonderführung „90 Jahre Zoo am Meer – eine historische Rundreise“. Immerhin haben die Besucher nicht jeden Tag die Gelegenheit an einer kostenlosen Führung teilzunehmen. Und eine Führung dieser Art, mit vielen Zoogeschichten, sogar auf „Platt“, hat es bisher tatsächlich noch nie gegeben.

Die Geschichte des Zoos beginnt mit dem Bau der Strandhalle

Damit am Geburtstag alles glatt läuft, treffen Julia und ich uns diese Tage in der Zooschule, um die Inhalte und die Wegstrecke der Führung gemeinsam festzulegen. Wir sind uns sofort einig, dass wir den Rundgang außerhalb des Zoogeländes, an der Strandhalle starten. Dort, wo ich heutzutage so gerne Kaffee trinke, begann die Geschichte des Zoos. Der erste Zoodirektor, Dr. Heinrich Lübben, hat es geschafft, die Stadtoberen von einem Nordsee-Aquarium in der Wartehalle des Norddeutschen Lloyd, der Strandhalle, zu überzeugen. Er wollte mehr als ein Aquarium. Zunächst entstand ein Wattpanorama, das erstmals Seehunde zeigte. 1928 wurden auf dem angrenzenden Deichgelände die Tiergrotten eröffnet. Julia und ich klicken uns durch die Fotos des Zoo-Archives. Wir finden tatsächlich Bilder vom noch leeren Deichgelände und jede Menge Fotos von den Anfängen des Zoos, die für die Besucher spannend sind und die wir bei der Führung zeigen werden.

1928 eröffnen die Tiergrotten neben der Strandhalle. [© Zoo am Meer Bremerhaven]

Eine Skulptur in Gedenken an Suse und die erfolgreiche Eisbärenzucht

Bei unserer historischen Führung darf natürlich die Eisbären-Skulptur, die auf dem Dach des Zoos thront, nicht fehlen. Als sie 1936 enthüllt wurde, gefiel sie dem damaligen Direktor Herrn Junker überhaupt nicht. Der künstlerische Mangel konnte jedoch vom zuständigen Leher Bildhauer H. Meseke nicht mehr behoben werden. Erst später wurde sie nach der Eisbärendame Suse I benannt, die 1937 erstmals ein Eisbären-Junges erfolgreich in Bremerhaven aufzog. In den kommenden Jahren gebar sie insgesamt zehn Jungtiere. Auch ihre Nachfolgerin Suse II brachte sage und schreibe 17 Jungtiere zur Welt, von denen sie 15 erfolgreich aufzog. Selbstverständlich war dieser Erfolg in der damaligen Zeit nicht, da man noch wenige Erkenntnisse über die Zucht von Eisbären besaß. Suse machte die Tiergrotten somit international bekannt. Ist es nicht toll, dass die Skulptur bis heute Krieg und etliche Nordweststürme überlebt hat? Hätte Herr Junker das damals gewusst, hätte er die Skulptur sicherlich mit anderen Augen gesehen.

Suse mit Zwillingen [© Zoo am Meer Bremerhaven]

Die Schimpansenfamilie erinnert daran wie früher exotische Tiere nach Deutschland kamen

Julia und ich werden bei unseren Vorbereitungen durch großes Geschrei der Schimpansen-Gruppe unterbrochen. Bei ihnen ist mal wieder richtig was los. Es gibt Streit um die letzten Futterreste. Nur die liebe Jenny, die hält sich mal wieder aus allem raus, sitzt vorne an der Besucherscheibe und beobachtet Julia und mich bei unserer Arbeit in der Zooschule. Ich denke an Jennys Geschichte. Sie wurde, zu einer Zeit als Schimpansen noch gerne als Haustiere gehalten wurden, von einem Bootsmann auf einem Afrikanischen Markt gegen eine Jeans, einen Kühlschrank und 100 DM eingetauscht. Dann wurde sie jedoch vom Zoll beschlagnahmt und in die Tiergrotten gebracht. Durch die Nähe zum Hafen brachten früher Seeleute immer wieder exotische Tiere aus fernen Reisen nach Bremerhaven. Das ist heute natürlich nicht mehr vorstellbar.

Ein Liebesbeweis für Hansi

Julia unterbricht meine Gedanken an Jenny, indem sie ein Bild in die Höhe hebt. „Das ist Hansi mit Dr. Ehlers!“ Julia deutet auf ein Foto, das den Klappmützen Bullen Hansi mit dem damaligen Direktor Dr. Ehlers zeigt. 1954 war Hansi die erste ausgewachsene männliche Klappmütze, die in einem Zoo gezeigt wurde. Dr. Ehlers liebte ihn über alles, obwohl sich seine Haltung als sehr schwierig herausstellte. Beim Versuch Hansi zu füttern wurde er einmal vom verängstigten Bullen verletzt. Wegen der hohen Haltungsansprüche werden Klappmützen heutzutage nicht mehr in Zoos gehalten. Nach Hansis Tod ließ Dr. Ehlers jedoch eine lebensgroße Klappmützen-Skulptur aus schwarzem Terrazzo errichten, die so auch heute noch im Zoo am Meer bewundert werden kann. Selbstverständlich darf Hansi auf unserer historischen Führung nicht fehlen.

Dr. Ehlers mit Klappmütze Hansi [© Zoo am Meer Bremerhaven]

Medienstars unter den Pinguinen

Neben Hansi und Suse gibt es tatsächlich noch mehr Skulpturen im Zoo, die an tierische Berühmtheiten erinnern. Julia und ich werden auf unserem Rundgang Kralli und Ulla vorstellen: Zwei Felsenpinguin-Skulpturen aus Stein. Die meisten Besucher kennen Kralli. Er wurde in den 80er Jahren weltweit berühmt als die Medien von ihm als Felsenpinguin, der glaubt eine Ente zu sein, berichteten. Julia hat alles über Kralli nachgelesen und informiert mich über die Hintergründe: Die damals auf der Pinguinanlage lebenden Eselspinguine hatten keinerlei Probleme aus dem Wasserbecken auszusteigen. Kralli stellte sich dagegen sehr tollpatschig an.
Und wer war Ulla? Ulla sollte Krallis Partnerin werden und man hoffte lange vergeblich auf Nachwuchs. Kralli legte schließlich ein Ei und entpuppte sich somit als Weibchen. Schon war die nächste Sensation perfekt.

Der berühmte Felsenpinguin Kralli [© Zoo am Meer Bremerhaven]

Kralli ist eng verbunden mit Bremerhaven

Kralli ist auch heute noch in ganz Bremerhaven allgegenwärtig. Eine Kneipe heißt Kralli, genauso wie viele Ferienwohnungen. Das Maskottchen unserer Eishockeymannschaft, den Fishtown Pinguins ist auch Kralli. Julia speichert ein Foto des Maskottchens und der Spieler. Mir ist es bisher nie aufgefallen, aber Julia hat recht: Die Spieler tragen doch tatsächlich die Trikotfarben des Felsenpinguins: schwarz, weiß, rot mit gelben Helmen.

Eine wohlverdiente Pause

Apropos Fishtown Pinguins: Etwas Sport und Bewegung können auch Julia und mir nicht schaden. Wir legen eine Pause ein, bevor wir uns morgen erneut zusammensetzen. Wir möchten auf unserem Rundgang die Besucher auf jeden Fall hinter die Kulissen des Zoos führen, denn dort kommen die Besucher sonst nicht hin. Julia und ich haben noch einige spannende Zoogeschichten zu erzählen, auf die sich die Teilnehmer am 24. Juni 2018 freuen können.